Rüpel als Streber: Die Beastie Boys sind zurück

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Sie schieben keine ruhige Kugel: (oben von links) Mike Diamond, Adam Yauch und Adam Horovitz (rechts) im Jahr 1995.

Ohne den Dalai Lama hätte es das neue Album der Beastie Boys vermutlich nie gegeben. Schon vor zwei Jahren wollten die US-HipHopper „Hot Sauce Committee Part 1“ veröffentlichen, doch dann verkündete Adam Yauch per Videobotschaft, dass er Lymphdrüsenkrebs habe.

Sich operieren und bestrahlen lassen müsse. Zugleich versprach der bekennende Buddhist: „Wir werden wiederkommen.“

Nach der Operation reiste der 46-Jährige ins indische Dharamsala, wo der Dalai Lama im Exil lebt. Yauch besuchte Vorträge des geistlichen Oberhaupts und ließ sich von tibetischen Ärzten behandeln.

Aktuelles Bild: Die Beastie Boys.

Das hat ihm womöglich erst die Kraft gegeben, um nun wiederzukommen, als sei nie etwas gewesen. Das heute erscheinende siebte Studioalbum der Beastie Boys heißt „Hot Sauce Committee Part 2“ und klingt mit seinen Old-School-Beats, den wilden Samples und quengelnd vorgetragenen Reimen wie „Licensed To Ill“, das 1986 als erstes Rap-Album die US-Hitparade anführte.

Dazu passt, dass sich das Trio im Video zur rotzigen Single „Make Some Noise“ persiflieren lässt. Zu den Klängen des 25 Jahre alten Hits „Fight For Your Right To Party“ spielen zahlreiche Hollywood-Stars wie Jack Black, Elijah Wood und Will Ferrell noch einmal den alten Beastie-Boys-Kosmos nach. Sie brechen in Läden ein und spritzen Spießer mit Bier voll.

Das war schon in den 80ern ein Spaß, als die drei jüdischen Kids aus der gehobenen New Yorker Mittelschicht erst Hardcore-Punk spielten und dann mithilfe des späteren Star-Produzenten Rick Rubin (Johnny Cash) zum HipHop wechselten, den sie mit Hardrock-Riffs unterlegten. Später vermengten sie furios Funk, Soul und Jazz.

Yauch, Mike Diamond und Adam Horovitz zogen mit ihren Frauen nach Kalifornien, gründeten eine eigene Plattenfirma, eine Modelinie und ein Magazin für Lifestyle-Themen. Zugleich organisierten sie Benefizkonzerte für ein freies Tibet. Die Beastie Boys waren Weltverbesserer wie Bob Geldof, anders als der aber auch noch cool. „Ihr Name ist ein Markenzeichen der Popkultur“, befand „Der Spiegel“.

Mit „Hot Sauce Committee Part 2“ beweisen die ergrauten Herren ein bisschen streberhaft, dass sie auch mit fast 50 noch komische Rüpel sein können. Ob sie jedoch noch einmal auf die Konzertbühnen zurückkehren, ist fraglich. Vom Krebs geheilt ist Yauch trotz fernöstlicher Heilkunde noch nicht: „Ich bin dankbar für die positive Energie, aber das ist übertrieben.“

Beastie Boys: Hot Sauce Committee Part Two (Capitol/Emi). Wertung: vier von fünf Sternen

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