Die Sängerin Fatoumata Diawara begeisterte im Kulturzelt

Ruhe und Sturm

Kunstvoller Turban: Fatoumata Diawara beim Auftritt in Kassel. Foto:  Herzog

KASSEL. So zurückhaltend der Auftritt von Fatoumata Diawara beginnt, so einnehmend ist die Atmosphäre im fast voll besetzten Kasseler Kulturzelt. Dazu braucht es nicht mehr als ein paar Gitarrentöne und eine dunkle Stimme, die sanft und bestimmt zugleich den Rhythmus der in Mali gebräuchlichen Bambara-Sprache zum Klingen bringt.

Fast statisch steht sie auf der Bühne, zwei bunte Tücher sind kunstvoll zum Turban um ihren Kopf gewickelt. Als die Band einsetzt, wird der Groove noch intensiver, obwohl nach wie vor eine geradezu kammermusikalische Diskretion vorherrscht. „Wassoulou Folk“ nennt Fatoumata Diawara ihren Stil, in dem sich westafrikanische Klänge mit Pop-Einflüssen bis hin zum Funk mischen.

„Kanou heißt Liebe in Bambara“, sagt sie und kündigt damit ein ernstes Thema an, denn es geht um Liebe, die nach einem Streit verloren ging. Das Stück „Clandestin“ handelt von afrikanischen Emigranten. „Gibt es nicht jemanden, der ihnen hilft, zu Hause zu bleiben?“, lautet die an die politischen Führer gestellte Frage. Nachdenklich sind die Lieder von Fatoumata Diawara, die 1982 in Elfenbeinküste geboren wurde, in Mali aufwuchs und in Frankreich lebt.

Derweil übt die Musik eine hypnotische Kraft aus. Der Hörer lauscht der faszinierenden Stimme sowie dem dichten, pulsierenden Sound von Martin Grenier (Gitarre), Jean-Alain Hohy (Bass), Jean-Baptiste Ekoué Gbadoe (Drums) und Corine Thuy-Thy (Begleitgesang). Ein Gefühl drängt sich auf: Lang wird man nicht mehr still sitzen können.

Die ersten dreißig Minuten stellen sich in der Tat als Ruhe vor dem Sturm heraus. Denn dann bittet sie das Publikum aufzustehen, die Stimmung wird bald ekstatisch. Sie selbst entledigt sich des Turbans, tanzt über die Bühne und wendet sich in einer längeren englischen Ansage, die wie HipHop groovt, an die Leute. Die wiederum schwenken die Arme, singen im Chor, genießen das Konzert. Ein charismatischer Auftritt von Fatoumata Diawara.

Nächste Auftritte im Kulturzelt: heute Bob Geldof, Samstag Max Prosa, Sonntag Raul Midòn. Beginn: 19.30 Uhr, Kartentelefon: 0561/203-204.

Von Georg Pepl

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