Für den Ruhm und ein paar Äpfel: Slamrock Poetry Slam bei Salzmann

Als Gewinn ein paar Äpfel: (von links) Felix Römer, Bo Wimmer und Andreas in der Aue (Aida). Foto: Habich

Kassel. Ein Poetry Slam ist nichts für Zartbesaitete, das macht Felix Römer gleich zu Beginn klar. In seinem ersten Text geht es um morgendliche Kotzanfälle und Pinkeln unter der Dusche. Aber es muss auch nicht unbedingt flach zugehen: Als Nächstes rezitiert er Erich Kästner.

Alle zwei Monate moderiert Römer den „Slamrock Poetry Slam“ in der Kulturfabrik Salzmann. An diesem Samstag nehmen nur vier junge Männer am Wettbewerb teil, da gibt Römer noch ein paar eigene Texte zum Besten. Dann treten die Gäste mit selbst Geschriebenem gegeneinander an. Geslammt wird nach dem K.o.-System: Wer am wenigsten Applaus bekommt, fliegt raus. Es beginnt Aida, alias Andreas in der Aue. Aida ist der größte Performer des Abends: Er singt, schreit und tanzt, während er seine Reime vorträgt. Es ist Aidas 67. Auftritt als Slammer, trotzdem bleibt das Ganze für den 27-Jährigen ein Hobby. Davon leben zu können, wäre toll, sagt er. „Aber das schaffen nur wenige.“ Es gehe ihm nicht ums Gewinnen und nicht ums Geld, das gebe es für die Auftritte ohnehin nicht. Wichtig sei ihm das Erlebnis, vor Publikum aufzutreten.

Einen beklemmenden Text trägt schließlich der 22-jährige Dominik Meyer aus Kassel vor. Er schildert, wie es sich anfühlt, sich die Arme aufzuschneiden. So real, dass sich die Blicke unwillkürlich auf die frei liegenden Arme von Meyer richten, die unversehrt sind. Es muss eben nicht immer um selbst Erlebtes gehen. Der Student erzählt, die Idee zu dem Text sei ihm nach einer Flasche Whiskey gekommen - er habe „eigentlich etwas Komisches schreiben wollen“. Ins Finale schafft es neben Aida Bo Wimmer, der in der Szene schon einen Namen hat. Wimmer schlägt auf der Bühne ruhigere Töne an, seine Stärken sind ein ausgefeilter Wortwitz und Texte, die teils sehr authentisch wirken.

Der Slam endet mit einem Unentschieden. Gewonnen haben die Finalisten je zwei Einweckgläser, eine Fruchtfliegenfalle und Äpfel. Und 15 Minuten Ruhm auf der Bühne. Sie wirken zufrieden.

Nächster Slamrock Poetry Slam: Samstag, 29. Oktober.

Von Irene Habich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.