Russische Seele: Tschaikowskys Krönungskantate in Kassel

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Musizieren mit voller Konzentration: Karsten Koch (vorn) leitete die Orchestervereinigung Kurhessen und den Konzertchor Kassel in der Kasseler Martinskirche.

Kassel. Vaterländische Heldenepen folgen gern dem Muster „per aspera ad astra“ (Durch Mühsal zu den Sternen). Ähnlich verfährt Peter Tschaikowsky in seiner Kantate auf Verse des Dichters Apollon Maikow, die 1883 zur Krönung von Alexander III. zum russischen Zaren uraufgeführt wurde.

Die Krönungs-Kantate, auch Moskau-Kantate, dürfte in Kassel noch nie aufgeführt worden sein. Umso reizvoller, dass der Kasseler Konzertchor und die Orchestervereinigung dieses Werk am Freitag unter der Leitung von Karsten Koch in der Kasseler Martinskirche zu Gehör brachten.

Zu erleben war ein Werk, das viel russisches Kolorit verströmt und sich von verhalten-schweren Moll-Klängen des Eingangschores bis zum ekstatischen Jubel des Finales, einer Lobeshymne auf die Heimat und deren Helden, aufschwingt. Vor allem in den gewaltigen, volkschorartigen Unisono-Passagen überzeugte der durch Gastsänger verstärkte Konzertchor in seiner Darbietung in russischer Sprache mit Stimmgewalt und rhythmischer Energie. Wie intensiv Tschaikowsky in dem halbstündigen Werk aus der russischen Volksmusiktradition schöpft, zeigte sich auch in den solistischen Partien, kraftvoll und stilsicher interpretiert von der Mezzosopranistin Inna Kalinina und dem Bariton Tomasz Wija. Die im Text beschworene Rettung der russischen Seele - musikalisch gelang sie eindrucksvoll.

Tschaikowskys populäre fünfte Sinfonie war dazu eine passende Ergänzung – und gleichzeitig eine Herausforderung für die großteils aus Laien bestehende Orchestervereinigung Kurhessen. Doch unter der äußerst emphatischen Leitung von Karsten Koch zeigte das an Schlüsselpositionen durch Profis verstärkte Orchester, was solide musikalische Aufbauarbeit und Begeisterung vermögen. Auch schöne solistische Leistungen gab es vor allem in den ersten beiden Sätzen. Am Ende gab es Jubel, Standing Ovations und eine Zugabe aus der Kantate in der gut gefüllten Martinskirche.

Der Erlös des zum Kasseler Stadtjubiläum gemeinsam mit dem Museumsverein Kassel veranstalteten Konzerts kommt der Restaurierung der Länderfiguren des Bildhauers Carl Echtermeier für die Kasseler Neue Galerie zugute.

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