Sänger John Grant bezauberte im Kulturzelt mit traurigen Songs

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Spricht perfekt deutsch: US-Singer-Songwriter John Grant.

Kassel. Das Gute an Deutschland ist, dass man hier Wörter wie „vergackeiert“ sagen kann. Das freut den US-Singer-Songwriter John Grant ganz besonders. Er hat einst in Heidelberg studiert, spricht akzentfreies Deutsch, lebt aber mittlerweile in Island, und da geraten einem so manche Absonderlichkeiten der deutschen Sprache leicht aus dem Sinn.

Desto mehr zelebriert er sie, wenn er hier ist. So war „oberaffentittengeil“ sein freudiger Facebook-Kommentar zum deutschen WM-Sieg.

Am Mittwochabend im knapp halb vollen Kasseler Kulturzelt mixte Grant seine witzigen Anekdoten mit den meist doch ziemlich traurigen Liedern („Zu glücklich mögen wir es nicht“), die er mit seiner isländischen Band sang, mal mit jeder Menge Klangeffekten, mal nur sich selbst am Klavier begleitend. Ein charmanter, geradliniger Typ mit tiefer Stimme. Er entlockt den Eiscreme-Sorten seiner Kindheit (Erdbeer-Marshmallow) in einer Eisdiele in Michigan ebenso gesangliche Poesie wie dem langsamen Sterben einer Beziehung („Dein Schweigen ist eine Waffe, es ist wie eine Atombombe“).

Die Kombination aus Instrumentenklang und elektronischer Soundkulisse wirkte teilweise nicht ausgewogen und klar konzipiert, die Bandbreite der Klangfarben war jedoch überraschend. Es gab eine Kirmesorgel wie von der Geisterbahn, das Brummen eines landenden Flugzeugs, es gab Gequietsche wie mit Luftballons auf dem Kindergeburtstag und ein Flattern wie von den Flügeln eines verletzten Vogels.

Im freundlich erklatschten Zugabenblock nach 90 Minuten gab es dann noch „das einzige reine Liebeslied“, wie John Grant sagte. Eine Ballade ganz ohne Effekte, hier verklang das Klavier fast zärtlich.

Von Bettina Fraschke

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