Musik soll nicht illegal genutzt werden

Lando van Herzog zur Musikindustrie: „Es geht nicht fair zu“

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Kunst darf nicht brotlos sein: Dagegen kämpft Lando van Herzog gemeinsam mit vielen Künstlern mit dem „Project Fair Play“.

Er wehrt sich gegen die Umsonst-Moral im Internet und hat viele Mitstreiter gewonnen: Musiker und Produzent Lando van Herzog spricht im Interview über sein „Project Fair Play“.

Van Herzog hat es satt, dass Musik kostenlos und illegal genutzt wird. Mit einer CD, einem Konzeptalbum, auf dem Stars wie Frank Schätzing, Yvonne Catterfeld, die Söhne Mannheims, Till Brönner, Marianne Rosenberg, Christoph Maria Herbst, Joyce Ilg und mehr Stellung beziehen zum Thema Respekt vor geistigem Eigentum, soll dafür Bewusstsein geschaffen werden. Denn: „Kultur und Musik können nur dann existieren, wenn die Schöpfer der Werke fair entlohnt werden“, sagt van Herzog im Interview.

Herr van Herzog, hätte man nicht schon viel früher anfangen müssen, für die Wertschätzung des geistigen Eigentums zu kämpfen?

Lando van Herzog: Es gab viele Fehlversuche, den Missbrauch einzudämmen. Wir Künstler hätten uns schon früher organisieren müssen. Am Verhandlungstisch mit den Streamingdiensten sitzt die Plattenindustrie und nicht der Künstler. Das ist ein Fehler – es wurden mehrere gemacht.

Warum hat der Schutz des geistigen Eigentums nicht den nötigen Stellenwert bei den Menschen?

van Herzog:Das hat mit der Digitalisierung zu tun. Was nicht haptisch fühlbar ist, scheint auch nichts wert zu sein. Hinzu kommt die Geiz-ist-geil-Mentalität. Davon betroffen sind auch Zeitungen, deren Auflagen schrumpfen auch deshalb.

Worin sehen Sie die größte Gefahr?

van Herzog: Die sehe ich für Ihre Zunft, für die des gedruckte Wortes, wenn die Information nicht mehr gut entgolten wird. Nicht nur für die Journalisten ist das eine Gefahr, sondern vor allem für die Nutzer. Wir geraten in eine Informationsschieflage. Man gelangt schnell auf Fake-News-Portale und ohne es zu wissen wird man dann falsch informiert und das führt auch politisch zu Katastrophen. Man geht mittlerweile davon aus, dass jede fünfte Nachricht im Netz von Bots, also Robotern, generiert wird. Der Virus der Umsonst-Kultur raubt uns am Ende die objektive Wahrheit.

Ist es denn überhaupt möglich, die Kontrolle über das geistige Eigentum im Internet zurückzugewinnen?

van Herzog: Ich habe da einen langen Atem, auch weil ich als Künstler davon extrem betroffen bin. Und ich habe ein Vorbild, Dieter Overath, den Gründer von Fairtrade. Er hatte vor 25 Jahren die Vision vom fairen Handel. Damals wurde er kaum wahrgenommen, heute gibt es Fairtrade-Produkte im Handel.

Also geht es Ihnen um Aufklärung und nicht um Strafe?

van Herzog: Es wäre ein Kampf gegen Windmühlen, wenn wir strafrechtlich dagegen vorgehen wollen würden. Jungen Nutzern ist oft gar nicht bewusst, dass es sich um Diebstahl von geistigem Eigentum handelt, wenn sie einen Text oder ein Bild aus dem Internet kopieren. Unser Weg ist es, Bewusstsein zu schaffen. Wir versuchen das mit unseren Instrumenten – dem Wort, der Musik. Zum Beispiel durch Songs auf dem Konzeptalbum, die die Situation eines Künstlers schildern: Er arbeitet lange an seinem Werk, stellt es ins Internet, um es zu verkaufen und dort wird es dann massenhaft kostenlos genutzt. Das ist etwas, was den Künstler, also den Urheber, extrem frustet.

Wie schwer ist es als Künstler zu existieren, wenn man nicht gerade ein Superstar ist?

van Herzog: Es wird immer schwerer. Die Stars, die sich vor 20 Jahren zur Blütezeit der CD einen Namen machten, haben es leichter, sie profitieren heute noch bei ihren Liveauftritten davon. Aber: Wie soll sich heute ein junger Künstler eine Karriere aufbauen, wenn er kaum etwas verkauft? Dann interessiert sich auch keine Plattenfirma für ihn.

Was bleibt denn letztlich für einen Künstler übrig?

van Herzog: Bei der Musik geht man beim Streaming davon aus, dass der Künstler zwischen 0,05 und 0,2 Cent pro Stream verdient. Ein Song, der 500.000 Mal gestreamt wurde – das ist schon eine sehr hohe Zahl – würde maximal 1000 Euro bringen. Allein die Produktion eines Songs kostet deutlich mehr. Wie soll man da existieren? Wer nicht so bekannt ist und nur 500 Streams bekommt, verdient etwa zehn Euro. Das ist die Realität.

Was geht vor: Geistiges Eigentum oder freier Zugang zu Informationen?

van Herzog: Künstler und auch Journalisten, die Arbeit in ihr Werk stecken, müssen entlohnt werden. Ein Bäcker verschenkt seine Brötchen ja auch nicht. Geistiges Eigentum hat auch seinen Preis.

Wenn politisch über die Digitalisierung gesprochen wird, dann oft über den Netzausbau.

van Herzog: Das stimmt. Es wird kaum über den Schutz der digitalen Inhalte gesprochen. Das Thema ist noch nicht oben angekommen. Der beste Ansatz dafür, die Dose der Pandora wieder zu schließen, besteht darin, Bewusstsein zu schaffen. Deshalb arbeiten wir auch mit Schulen zusammen, um die junge Zielgruppe direkt zu erreichen.

Wie genau soll das gelingen?

Van Herzog: Die Debatte muss in den Köpfen der Menschen stattfinden. Unter anderem wird unser Konzeptalbum an Schulen als Unterrichtsinhalt angeboten, wir haben ein Lehrer- und ein Schülerhandbuch entwickelt. Ohne damit den Zeigefinger zu erheben. Künstler wie Hella von Sinnen, nehmen mit ihrem Wort Stellung. Es muss klar werden: Es geht nicht mit fairen Dingen zu.

Zur Person: Lando van Herzog

Lando van Herzog (verrät sein Alter nicht) ist ein in Köln lebender deutscher Musiker und Künstler. Als Solist, Komponist und CoProducer realisiert er Show-Events (u. a. mit Endemol Entertainment). Er will mit dem „Project Fair Play“, mit dem Künstler zum Respekt vor geistigem Eigentum im digitalen Zeitalter bitten, auf die Folgen des geistigen Diebstahls hinweisen.

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