Interview mit der Sängerin Jasmin Wagner

Blümchen beim Just-90's-Festival in Kassel: „Ich habe Instagram noch nicht kapiert“

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Sängerin Jasmin Wagner hat heute wieder viel Spaß dabei, Blümchen zu sein.

Wie ein „Boom, Boom, Boom, Boom, Boomerang“ ist sie wieder da: Jasmin Wagner, Fans der 90er-Jahre-Popmusik kennen sie als Blümchen. Am 29. Juni tritt Blümchen bei der 90er-Party im Auestadion auf.

Vor 18 Jahren verabschiedete sich Jasmin Wagner („Herz an Herz“, „Boomerang“) von der Musikbühne. Dass sie diese je wieder betreten würde, habe sie selbst nicht gedacht, sagt sie im Interview.

Die Aufmerksamkeit für das Comeback ist groß – wie überrascht sind Sie?

Sehr. Auch für mich war klar, dass ich das nicht wieder mache. Ich war happy mit meinem neuen Arbeitsfeld, habe viel am Theater gearbeitet. Aber dann haben mir Freunde, die bei einer 90er-Party waren, meine Mailbox mit meinen Liedern vollgegrölt und fanden die Songs cool. Ich habe bis dahin die aufgeflammte 90er-Liebe gar nicht so richtig mitbekommen.

Ist es eine Zeitreise zurück oder gibt es auch neue musikalische Elemente?

Wir haben eine Form gefunden, die meine Musik von damals in das Heute rückt und die zu mir passt. Das finde ich spannend. Es klingt fetter und wummert mehr. Natürlich ist eine Portion Nostalgie dabei und auch ein Augenzwinkern. Durch diese Mischung ist es möglich, dass ich heute wieder Blümchen sein kann. Mit „Computerliebe“ habe ich einen neuen Song aufgenommen. Es entsteht eine Menge neues Zeug.

Als Sie „Computerliebe“ vorgestellt haben, wurde der Fokus weniger auf die Musik und mehr auf Ihren Körper – auf Ihren Po – gelegt. Hat Sie das geärgert?

Ich kann das schon verstehen, ich bin fast 40 Jahre alt und habe mich auch gefragt, ob ich mich noch auf die Bühne stellen kann. Ich trage einen knappen, auffälligen roten Body – da sieht man viel von meinem Körper. Als ich 20 Jahre alt war, dachte ich, eine Frau in meinem Alter ist eine alte Frau – es stimmt, ich bin keine junge Frau mehr, aber ich kann so frei leben, wie ich möchte und bin fit.

Wie lange haben Sie „Boomerang“ nicht gehört?

Vollständig nie. Also: 18 Jahre nicht. Aber ich habe mich neu in meine Musik verliebt. Ich mag die Energie. Man hört die Songs, hat gute Laune, das ist besonders und war mir damals nicht bewusst.

Was würden Sie heute nicht mehr machen, was Sie damals getan haben?

Ich habe mir Lob und Kritik zu Herzen genommen – das Negative zu sehr. Deshalb ist es schön, heute eine ältere Version von mir selbst zu sein. Ich ruhe mehr in mir.

Was ist für Sie typisch für die 90er-Jahre?

Bauchfrei, keine Smartphones in der Hand haben, Farben, Muster, Buffalo-Boots, Trolle. Neue musikalische Ausdruckskraft entdecken – wir hatten die elektronische Freiheit und haben einen komplett neuen Sound erfunden. Heute arbeiten alle mit elektronischen Soundelementen. Das Potenzial, was in den 90ern geschaffen wurde, die musikalische Wunderbox, wird jetzt erst geöffnet.

Das Musikgeschäft hat sich verändert, viele Musiker werden heute über Internetplattformen wie Youtube bekannt.

Das finde ich spannend, aber es ist nicht meine Welt. Ich bin nicht digital aufgewachsen, habe Instagram auch noch nicht komplett kapiert. Ich komme aus den 90ern, wir haben unser Privatleben verteidigt – heute teilt man private Momente. Daran muss ich mich gewöhnen.

Bei der 90er-Party sind auch andere Stars aus dieser Zeit dabei, schwelgt man da in Erinnerungen?

Ich bin neugierig, was sie so gemacht haben. Aber ich habe damals nicht sehr viel mit ihnen abgehangen, weil viele einfach älter waren.

Wie war für Sie die Zeit nach dem großen Blümchen-Ruhm?

Sie war super. Ich habe von 15 bis 21 Jahren nichts anderes gemacht als Blümchen zu sein. Meine Freunde haben in dieser Zeit die Welt kennengelernt. Ich habe danach meinen Rucksack erst mal in alle möglichen Windrichtungen der Welt getragen. Dann habe ich fürs Fernsehen und das Theater gearbeitet. Diese Erfahrung macht mich sehr gelassen, auch dann, wenn mal etwas schiefgeht.

Und wie groß ist heute der Erfolgsdruck?

Ich mache mir gar keinen Erfolgsdruck, weil die Welt das, was ich mache, ja eigentlich auch nicht braucht. Aber es gibt ein paar Leute, die Spaß daran haben. Die Veranstalter haben einen Effekt gespürt, als ich zugesagt habe. Es gibt viele Blümchianer da draußen. Aber wenn das wieder abebbt, ist es auch gut. Dann mache ich was anderes, die Welt ist bunt genug – es gibt viele Möglichkeiten.

Sie haben damals nach fünf Jahren aufgehört. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Pläne machen, das bringt nichts im Leben. Ich kann mir das jetzt so für anderthalb Jahre vorstellen. Vielleicht ist danach die Zeit, um eine Familie zu gründen oder Yogalehrerin zu werden. Ich reagiere gerne auf das, was mir das Leben anbietet.

Alle Infos zur großen 90er-Jahre-Party am 29. Juni 2019 im KasselerAuestadion finden Sie auch in unserer Veranstaltung auf Facebook. Einfach auf diesen Link klicken oder QR-Code scannen. 

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Zur Person

Blümchen aka Jasmin Wagner in den 90er-Jahren.

Jasmin Wagner (39) wurde in Hamburg geboren. Sie lebt dort, in Berlin und Zürich, der Heimat ihres Ehemannes Frank Sippel. Wagner schauspielert, singt, tanzt, moderiert. Sie gehörte in den 90ern zu den erfolgreichsten deutschen Musikern. Im März, 18 Jahre nach ihrem Bühnen-Aus, trat sie das erste Mal wieder als Blümchen auf.

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