Sängerin Cristina Branco im Interview: "Fado ist nicht traurig"

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Kassel. Cristina Branco gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Fado, jenes melancholischen Musikstils, der seit 2011 sogar zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe zählt. Die 41 Jahre alte Portugiesin verbindet den Fado mit modernen Elementen und tritt bisweilen auch mit Rockbands auf.

Am Dienstag gastiert sie beim Kasseler Jazzfrühling in der Karlskirche.

Frau Branco, was bedeutet Fado für Sie? 

Cristina Branco: Mein Leben machte auf einmal Sinn, als ich mit 18 Jahren die Musik für mich neu entdeckte. Zudem ist es die ideale musikalische Form, die meinen Träumen Gestalt gibt.

Für manche ist Fado die traurigste Musik der Welt. Muss jeder Fado-Sänger ein Melancholiker sein? 

Branco: Natürlich nicht. Melancholie ist nur eine Verfassung und nicht der Sinn des Lebens. Sie hält nicht für immer an. Die meisten Menschen machen aus der Melancholie eine Art Sehnsucht. Dabei ist Fado gar nicht traurig. Er war die Musik der Seefahrer, Prostituierten und Landstreicher. Heute werden die Lieder von einer jungen Generation von Musikern gesungen, die mit einem Lächeln auf die Welt schauen.

Bevor Sie Ihre Musikkarriere starteten, wollten Sie Journalistin werden. Welche Frage würden Sie sich selbst gern einmal stellen? 

Branco: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Sie haben großen Erfolg in ganz Europa und singen auf Portugiesisch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Wo fühlen Sie sich zu Hause? 

Branco: Seitdem ich so oft unterwegs bin, ist mein Zuhause dort, wo ich das Lachen meiner Kinder hören und wo ich eine schöne Mahlzeit für sie kochen kann. Ich fühle mich da wohl, wo ich mich mit meinem Mann bei einem Glas Wein über den Sinn des Lebens unterhalten kann. Die Familie ist mein Zuhause.

Cristina Branco live: Dienstag, 20 Uhr, beim Kasseler Jazzfrühling in der Karlskirche, Karlsplatz. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person

Geboren: am 28. Dezember 1972 in Almeirim (Portugal) Ausbildung: Publizistikstudium Karriere: Branco wuchs mit Jazz- und Rockmusik auf und entdeckte den Fado, als ihr Großvater ihr eine CD von Amália Rodrigues schenkte, die als „Göttin des Fado“ gilt. Ihren ersten Auftritt hatte Branco in einer holländischen TV-Show. Gerade ist ihre CD „Idealist“ erschienen. Privates: Lebt mit ihrer Familie in Portugal

Von Matthias Lohr

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