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„Das wird ein super emotionaler Abend“: Sängerin Lea im Interview

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Von: Leonie Krzistetzko

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Sängerin Lea aus Kassel.
Sängerin Lea aus Kassel. © Calvin Müller

Die Kasseler Sängerin Lea reiht sich seit Jahren in die Riege der erfolgreichsten Pop-Künstler Deutschlands ein. Am 11. August kehrt sie für ein Open-Air Konzert auf dem Messegelände in ihre Heimat zurück. Im Interview erzählt sie davon, wie sich ihre Musik verändert hat, wieso Songs für sie aus ihrem eigenen Leben kommen müssen, und wieso der Abend für sie emotional wird.

Lea, Sie haben gerade Ihren neuen Song „Eigentlich“ veröffentlicht, in dem es darum geht, Gefühle nicht ausdrücken zu können und zu überspielen. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Das Gefühl kennen wahrscheinlich alle. Dass man versucht, so zu tun, als wäre nichts, Hauptsache die anderen merken es nicht. Mir sind Themen generell sehr wichtig, die nahbar sind und die aus meinem echten Leben kommen. Denn so kann Musik am meisten vermitteln und helfen. Ich sehe Musik als etwas an, an dem ich mich zum einen selbst festhalten kann, aber auch die Menschen, die sich damit identifizieren können. Für mich ist es immer wichtig, dass Musik nicht nur Musik ist, sondern auch eine Message hat. Meine Songs sollen auch zeigen, dass man mit seinen Gefühlen nicht allein ist.

Für „Eigentlich“ haben Sie mit der Rap-Crew 01099 zusammengearbeitet, davor mit Casper und Capital Bra – welche Rap-Kollaboration steht noch auf Ihrer Wunschliste?

Ich mache mir nie einen großen Plan, Kollaborationen entstehen bei mir aus Situationen heraus. 01099 und ich wussten voneinander und fanden uns gegenseitig cool. Dann habe ich sie angefragt. Ich weiß aber noch nicht, mit wem ich dieses Jahr noch zusammenarbeite, oder ob ich dieses Jahr überhaupt noch mit jemandem zusammenarbeite. Das sind alles Sachen, die bei mir spontan entstehen.

Haben Sie eine besondere Beziehung zum Genre?

Ich schaue bei Kollaborationen eigentlich gar nicht so richtig auf das Genre, ich habe ja auch mit Luna und Antje Schomaker zusammengearbeitet – also Interpretinnen aus dem Pop und Indie-Bereich. Für mich geht es eher um die Künstlerinnen und Künstler selbst.  Ich finde es aber spannend, wenn sich verschiedene Genres treffen und man dadurch neue Seiten aus sich selbst rausholt und Unvorhersehbares macht. Das ist ja auch das Spannende an der Musik: Man ist immer auf der Suche nach etwas Neuem, bleibt aber trotzdem man selbst. Das ist der große Spagat.

Wie gelingt das bei Ihnen?

Ich versuche, mit meiner Musik längerfristig zu denken und keinen Hypes nachzurennen, sondern bei mir selbst zu bleiben. Das tut mir und meiner Musik viel besser. Und so ist das bei den Kollaborationen auch.

Auf Instagram haben Sie erzählt, dass sich Ihre Musik über die Zeit sehr verändert hat. Was sind die größten Unterschiede?

Musik ist für mich eine Spielwiese, auf der ich immer mehr entdecke und dazulerne. Sie hat sich ganz anders entwickelt, weil ich in einem ganz anderen Umfeld arbeite und kreativ bin als noch vor ein paar Jahren. Während ich mein erstes Album zum Beispiel noch vorwiegend in Kassel und Hannover für mich allein am Klavier geschrieben habe, habe ich mittlerweile tolle Produzentinnen und Produzenten kennengelernt sowie andere Songwriterinnen und Songwriter.  Und das hat einen großen Einfluss darauf, wie ich an meiner Musik arbeite. Auch Konzerte prägen meine Musik.

Inwiefern?

Der Kontakt zu den Fans lässt mich natürlich auch total wachsen und verändert dadurch meine Musik. Es macht etwas mit mir, wenn ich meine Songs live vor Menschen spiele, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, die Musik für meine Fans zu spielen.

Verändern sich Ihre eigenen Gefühle gegenüber Songs auch mit der Zeit?

Auf jeden Fall. Jeder Song hat seine Geschichte und seinen Platz – auch wenn er über zehn Jahre alt ist. „Wohin willst du?“, den ich damals bei meinen Eltern in Kassel im Wohnzimmer geschrieben habe, ist zum Beispiel ein Titel, der mich schon ewig lang begleitet, der für mich persönlich wichtig war und mir für meine Karriere Türen geöffnet hat – aber ich hatte ihm wahrscheinlich früher andere Gefühle gegenüber als heute. Heute schaue ich eher verträumt darauf zurück.

Sie spielen am 11. August in Kassel ein Open-Air-Konzert. Ihr aktuelles Album „Fluss“ ist im November 2021 herausgekommen, wie „Treppenhaus“ von 2020 also während der Coronapandemie. Das macht zwei Alben, die noch nicht oft live gespielt werden konnten. Welche Mischung erwartet Ihre Fans?

Unser Set ist sehr gefüllt mit den alten Songs, die Leute vielleicht aus dem Radio kennen, aber auch neueren Songs aus „Treppenhaus“ und „Fluss“ – die Mischung ist also kunterbunt. Und obwohl viele Songs nach vorne gehen, gibt es auch Ruhemomente, in denen nur ich am Klavier zu hören bin, oder nur mit meinem Gitarristen zusammen. Es sind auch ganz viele unterschiedliche Emotionen dabei.

Was unterscheidet die Atmosphäre bei Open-Air- und Hallenkonzerten?

In einer Halle hat man zwar eine andere Lichtsituation, aber Open-Airs haben immer etwas Besonderes, wenn man dabei den Sonnenuntergang sieht und die frische Luft spürt. Deshalb liebe ich Open-Air-Konzerte schon sehr.

Sie kommen selbst aus Kassel, leben aber seit 2018 in Berlin. Wie fühlen Sie sich, wieder zurückzukommen?

Gerade für ein Konzert nach Kassel zurückzukommen, ist eines meiner Highlights dieses Jahr. Ich versuche, immer zwischendurch nach Kassel zu fahren – zum Beispiel steige ich oft für eine Nacht aus dem Zug aus, wenn ich auf dem Weg von Berlin in den Süden bin. Das versuche ich schon regelmäßig zu machen, also einmal im Monat. Aber gerade für ein Konzert nach Kassel zu kommen, ist schon richtig besonders für mich. Vor allem, weil ich schon so viele Jahre nicht mehr in Kassel gespielt habe. Das wird für mich ein super emotionaler und krasser Abend – und da freue ich mich schon sehr drauf.

Was verbindet Sie noch mit der Stadt?

Alles, was man so als junger Mensch beim Aufwachsen so fühlt. Gerade die ganzen Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend sind richtig krass durch Kassel geprägt. Ich habe hier alles erlebt: von meiner Kindheit bis zur ersten Liebe und zum ersten Liebeskummer. Ewige Fahrradtouren, nachmittags nach der Schule in den Park zu fahren, und die ersten Partys. Deshalb besteht die Stadt für mich aus richtig vielen Geschichten. Und natürlich verbinden mich meine Eltern mit Kassel, die hier wohnen. Deshalb bin ich auch häufiger hier. Und ich habe auch noch Freundinnen und Freunde in der Stadt.

Gibt es bestimmte Orte, die Ihnen hier besonders viel bedeuten?

Einer meiner Lieblingsorte ist der Bergpark, da hatte ich auch mein allererstes Konzert mit 15 in der Konzertmuschel. Sonst liebe ich die Fulda und die Orangerie, die Aue, und die ganzen Parks. Ich liebe es, dass Kassel so grün ist und man doch recht schnell überall hinkommt – und trotz der Berge sogar überall mit dem Fahrrad.

Zur Person: Lea

Lea (30) heißt bürgerlich Lea Marie Becker und stammt aus Kassel. Die Tochter eines Musiktherapeuten machte ihr Abitur an der Jacob-Grimm-Schule und wurde als 16-Jährige durch ihre durch Mitschüler ins Internet gestellte Pianoballade „Wo ist die Liebe hin“ bekannt. Nach der Schulzeit ging Lea für ein halbes Jahr nach Argentinien und studierte Sonderpädagogik in Hannover. 2016 erschien ihr Debütalbum „Vakuum“, 2018 folgte „Zwischen meinen Zeilen“, 2020 „Treppenhaus“. Ihr aktuelles Album „Fluss“ ist 2021 erschienen. Seit 2018 lebt sie in Berlin.

Tickets für das Lea-Konzert in Kassel

Konzert: Lea Open Air 2022 am Do., 11. August, 20 Uhr, Messegelände Kassel. Es gibt noch Tickets im Vorverkauf sowie an der Abendkasse. Tickets auch unter HNA-Kartenservice.de und allen HNA Geschäftsstellen.

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