Konzert am 30. Oktober im Theaterstübchen 

Sängerin Y’akoto: "Ich bin voll die Heulsuse"

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Die Hamburger Sängerin Y'akoto gilt als Königin des deutschen Neo-Soul. Vor ihrem Auftritt in Kassel sagt die 27-Jährige, dass sie gar keine Soulsängerin sei. Egal - ihre Musik ist der Hammer.

Die Hamburger Sängerin Y’akoto ist in mehreren Welten groß geworden. Die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers pendelt zwischen Europa und Afrika. Für den souligen Afro-Folk ihres fantastischen Albums „Moody Blues“ hat sie Einflüsse aus zahlreichen Kulturen aufgenommen. Wir sprachen mit der 27-Jährigen, die am 30. Oktober im Kasseler Theaterstübchen ein seltenes Club-Konzert spielt, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Sie sehen sich nicht als Soulsängerin und nennen Ihren Stil „Soul-Seeking-Musik”. Was soll das denn sein? 

Y’akoto: Zu Beginn meiner Karriere wurde ich mit supertollen Soulsängerinnen wie Billy Holiday und Nina Simone verglichen, die ich bis dahin gar nicht richtig kannte. Ich mache Musik aus vollem Herzen, aber ich singe mir nicht die Seele aus dem Leib. Ich versuche, sie einzufangen, darum „Soul Seeking”. Die Seele ist das, was wir nicht beschreiben können. Sie lebt nach dem Tod weiter - wie die Musik.

Sie klagen, dass „wir von mittelmäßiger Musik umgeben sind”. Warum machen so viele die gleiche Musik? 

Y’akoto: Weil wir Angst haben, nicht im Radio gespielt zu werden. Es gibt eine unheimliche Gleichmachkultur. Um nicht ausgegrenzt zu werden, gehen viele auf Nummer sicher. Aber jeder soll machen, was er will.

Sie sind in Ghana aufgewachsen und mit 13 Jahren nach Hamburg gekommen. Wie groß war der Kulturschock? 

Y’akoto: Ich habe Hamburg gehasst. Zwar bin ich zweisprachig erzogen worden, aber mein Deutsch war nicht so der Hammer. In Ghana war ich eine gute Schülerin. In Hamburg wurde ich von den Kindern geärgert. Und keiner meiner bekloppten Lehrer hat gecheckt, dass ich nicht doof bin, sondern dass es an der Sprache liegt. Meine Mutter hat mit mir nach der Arbeit das „Sch” und Wörter wie „Eisenbahn“ geübt. Dafür bin ich ihr total dankbar.

Das klingt alles sehr hart. 

Y’akoto: Ich hatte ja die Musik. Meine Eltern stellten mir ein Klavier ins Zimmer. Und mit 14 habe ich eine Punkband gefunden. Sie sangen auf Englisch, konnten aber kein Englisch. Ich habe ihnen dann die Texte geschrieben. Bis ich 21 war, bin ich 15 Mal umgezogen. Ich kannte kein anderes Leben als das, das sich in mehreren Kulturen abspielt. Heute ist das in meinem Bekanntenkreis normal.

Als Kind wollten Sie Nachrichtensprecherin werden. Wann wussten Sie, dass Sie doch Musik machen möchten wie Ihr Vater? 

Y’akoto: Das wusste ich nie wirklich. Bei meinem Vater habe ich gemerkt, wie viel Mut dazu gehört, seine Persönlichkeit auf der Bühne zu zeigen. Früher habe ich regelmäßig Kotzanfälle bekommen. Zum Teil muss ich mich heute noch vor Auftritten übergeben. Alle guten Dinge sind eben kompliziert. Ich will, dass die Leute etwas fühlen, wenn sie von meinen Konzerten nach Hause gehen. So wie ich. Ich bin oft total berührt und voll die Heulsuse.

Ihr Song „Off The Boat” handelt von einem Flüchtling, der im Meer ertrinkt. Können Sie mit solch ergreifenden Geschichten die Menschen wachrütteln? 

Y’akoto: Ich muss die Menschen nicht wachrütteln. Keiner findet das angenehm, was die Flüchtlinge durchmachen - außer die Leute, die hetzen. Aber die haben für mich eine geistige Behinderung. Ich schreibe einfach über das, was mich bewegt. Als Künstlerin kann ich mir nicht anmaßen, die Welt zu verändern.

Sie singen auch über die Liebe. Wie geht es Ihrem Ex, der Sie wegen einer älteren Frau hat sitzen lassen? 

Y’akoto: Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Wenn man mich einmal mit dem Herz durch den Fleischwolf gedreht hat, lösche ich die Telefonnummer aus dem Handy.

Y’akoto: 30. Oktober, 20 Uhr, Theaterstübchen, Jordanstraße 11, Kassel. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204. 

Zur Person 

Name: Jennifer Yaa Akoto Kieck

Geboren: 1988 in Hamburg als Tochter einer deutschen Politologin und eines Musikers aus Ghana

Aufgewachsen: in Ghana, mit 13 kam sie nach Hamburg

Ausbildung: zur Tanzpädagogin, Studium der Amerikanischen Literatur (abgebrochen)

Karriere: Ihre Debüt-EP „Tamba“ erschien 2011. Das Album „Moody Blues“ kletterte 2014 bis auf Rang 11 der Charts

Privates: Lebt in Hamburg, Lomé (Togo) und Paris.

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