Sängerisches Brausen: Kiewer Knabenchor in St. Familia

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Sängerisches Brausen: Wohllaut vom Feinsten bot der Kiewer Knabenchor in der Kirche St. Familia. Foto: Schachtschneider

Kassel. In ihrer Heimat drohen Krisen und Unruhen, Menschen sterben in den Straßenwirren. Und jetzt stehen sie da, die Kinder und Jugendlichen, vor der Kirchenapsis und singen einstimmig den fünften Satz der Bachkantate BWV 80, „Und wenn die Welt voll Teufel wär“.

Es ist ein sängerisches Brausen in der Kasseler St.-Familia-Kirche, Symbol der Einigkeit der Christen in dieser Welt, Symbol des Nicht-Fürchtens. „Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt ... tut er uns doch nicht.“

Der Kiewer Knabenchor Dzvinochok, vielfach ausgezeichnet und immer wieder mit dem Leipziger Thomanerchor verglichen, sang unter seinem Leiter Ruben Tolmachow bei den 41. Internationalen Bachtagen Hessen-Thüringen in Kassel. Der Bach-Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“, in der der Komponist den bekannten Luther-Choral bearbeitet hat, geben die 60 Knaben- und Männerstimmen mit einer dynamisch breit aufgefächerten und doch sensibel kultivierten Klangfülle Wohllaut vom Feinsten, wenn man auch die noch ganz jungen, zarten Knabenstimmen vermissen mag. Hier dominiert das stärkere Volumen.

Das Eliteensemble aus der Ukraine gab zudem die für den dritten Sonntag nach Ostern komponierte Kantate 146 „Wir müssen durch viel Trübsal“ zum Besten. Ihr musikalischer Höhepunkt war sicherlich die Sopran-Arie „Ich säe meine Zähren“, von Julia Grutzka mit bewundernswerter Transparenz und Stimmenbalance gesungen. Ihr zur Seite Anna Retczal mit einem warmen Alt, Stephan Schärpe mit einem noch sehr jungen schmelzenden Tenor und Florian Dengler mit seinem volltönenden Bass: Vier junge Bachsolisten von Format, die auch mit dem zusammen mit dem Chor dargebrachten Duo von Bass und Tenor im Gedächtnis bleiben.

Eingebunden von den zwei Bach-Kantaten war in der fast ausverkauften Kirche das Orgelkonzert Nr. 6 in B-Dur von Georg Friedrich Händel, interpretiert von dem Konzertorganisten Jean Amend: Ein fein gestalteter solistischer Orgelpart, der von Altmeister Siegfried Heinrich (Gesamtleitung) mit seinem bewährten, auf alten Instrumenten spielenden Orchester Virtuosi Brunensis in delikater Feinabstimmung ausgekostet wurde. Zum Schluss stürmischer Beifall und Blumen für die Gäste aus der Ukraine.

Von Juliane Sattler

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