Bis Mai

Von Märchen bis zu Fake News: Neue Ausstellung in der Grimmwelt eröffnet

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Digitales Erzählen: Arbeit vom Studio TheGreenEyl, bei dem Besucher sich beteiligen können und erleben, wie Storys entstehen.

Kassel. Die neue Ausstellung "HörenSagen" in der Kasseler Grimmwelt schlägt den Bogen von der Antike über die Brüder Grimm bis zu Fake News.

Ist das hübsch auffrisierte Leben nicht viel schöner als das nackte, echte? Aber was ist nach dem Frisiervorgang wahr von der Erzählung über die eigene Person, und wo beginnt der Anteil der hinzugefügten Verschönerungselemente? Fragen, die im Zeitalter von Social Media, wo viele eine deutlich getunte Version von sich selbst auf Plattformen wie Facebook präsentieren, topaktuell sind. Die neue Ausstellung in der Kasseler Grimmwelt greift dieses Phänomen auf, in diese Gegenwart gelangend aus ganz anderen Epochen und Kontexten: „HörenSagen: Antike Mythen - Grimmsche Sagen - Digitales Erzählen“ heißt die Schau, die Leiterin Susanne Völker kuratiert hat.

Erlebnisse und Erkenntnisse für die ganze Familie will die Ausstellung auf der Sonderfläche bieten, für Kinder gibt es etwa ein Quiz, das auf Tafeln neben den Exponaten zu entdecken ist, und Comicgeschichten mit Sagenhelden von Leda bis zum Rattenfänger zum neu Zusammenkleben. Das „Erzählen als Grundkonstante des menschlichen Zusammenlebens“ so Völker, steht im Blickpunkt. Etwas mehr Komplexität hätte die Schau aber gut noch vertragen können.

Gedruckte Schätze: Blick in die Vitrinen mit historischen Buchausgaben. Fotos: Schachtschneider

Die Brüder Grimm haben Sagen gesammelt und in zwei Bänden 1816 und 1818 veröffentlicht. Die Erstausgaben sind in einer Vitrine im Zentrum der Schau ausgestellt. Im Unterschied zu einem Märchen hat eine Sage einen wahren Kern, erläutert Völker, und zwar in Bezug auf Zeit, Ort oder Person. Um diesen Kern wird in der Weitergabe der Story von Sprecher zu Sprecher, von Epoche zu Epoche, Fantastisches, Fantasiertes herumgebaut.

Scherenschnitt: Katrin Binders Arbeit zu Frau Holles Teich.

Grimmwelt-Mitarbeiterin Dr. Sabine Schimma weist außerdem darauf hin, dass die Grimms die Sagen vor 200 Jahren auch deshalb gesammelt haben, um sie - in der Tradition der Romantik - als Grundlage für ein neues deutsches Nationalbewusstsein zu nutzen. In der Schau ist dazu passend eine Bildgeschichte zur Sage von Eginhard und Emma ausgestellt, die in der Zeit Karls des Großen entsandt. Hier ist die Version von Wilhelm Busch zu sehen, der sich über das deutsche Nationalbewusstsein ein bisschen lustig machen wollte, und den Kaiser rheumageplagt im Morgenmantel zeichnete.

Künstlerin Katrin Binder (Berlin, ehemals Kasseler Kunsthochschule) hat sich in ihrer Papierarbeit mit einer Heldin aus der Region beschäftigt: Frau Holle, die sowohl in Sagen wie auch in Märchen auftaucht. Das Nebeneinander komplett verschiedener Welten in der Sage macht Binders fragile, poetische Installation besonders deutlich.

Das Studio TheGreenEyl lädt zum Mitmachen ein. Auf Basis eines Besucherfotos wird auf einer Abfolge von Monitoren dargestellt, wie per Computer immer mehr Elemente der Person verändert und mit fantastischen Sagen-Elementen vermischt werden. Auf einem Nachrichtenticker an der Wand erscheint dann ratternd eine kleine Geschichte auf Basis der Dateninformationen, die der Computer aus dem Foto selbstständig herausgezogen hat. Digitale Mythen.

Termine, Eintritt und Rundgänge:

Die Ausstellung läuft bis 21. Mai 2018 in der Grimmwelt, Weinbergstr. 21.
Öffentlicher Rundgang: „Frau Holle trifft Herkules“, jeden Sonntag ab 16 Uhr
Rundgänge für Gruppen: „Frau Holle trifft Loreley“ oder „#Narziss und der Selfie-Stick“ sind buchbar.
An den Adventssonntagen gibt es ein Veranstaltungsprogramm zur Sonderausstellung, los geht es am 3.12. mit Geschichten, erzählt von Gerda Weinreich.

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