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Premiere von "In Alices Welt" in Göttingen: Jeder erlebt das Schauspiel anders

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Jeder Besucher erlebt sein eigenes Stück: Szene mit Nikolaus Kühn und Ida Nossek. © Thomas M. Jauk

Göttingen. Theater am ungewöhnlichen Ort: In der Tiefgarage spielt das Theater-Event "In Alices Welt", mit dem das Deutsche Theater die Saison eröffnet.

Wie in der vergangenen Spielzeit beginnt das Ensemble die Spielzeit 2018/19 an diesem außergewöhnlichen Spielort, wie im Vorjahr hatte Regisseurin Antje Thoms die Inszenierung übernommen. Mit Bühnen- und Kostümbildner Florian Barth und Stefan Paul Goetsch (Musik) erntete sie bei der Premiere Bravorufe.

„Bitte teilen Sie dem Kaninchen mit, wenn Sie kein Stroboskoplicht vertragen“, besagt ein kleines Schild auf dem Theatervorplatz als erster Hinweis auf den anderen Theaterabend. In Gruppen werden die Zuschauer zum Eingang der Tiefgarage geleitet. „Mein Hut der hat drei Ecken“ spielt ein – Straßenmusikant? Mancher Zuschauer beginnt gleich mitzusingen.

„Ich glaube, Du bist die richtige Alice“, begrüßt dich eine Figur in Weiß. Du triffst das sprechende Kaninchen, das dir den Weg weist. Nach den Kinderbüchern „Alice im Wunderland“ mit der Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ von Lewis Carroll ist der Theaterabend konzipiert. Durch das Labyrinth finden 80 Zuschauer mit Hilfe vieler weißer Kaninchen mit ihren roten Albinoaugen.

Aus den Kopfhörern, die du vom Kaninchen bekommst, hörst du Geschichten über Walross und Zimmermann, über den Unterschied zwischen Raben und Schreibtisch und Butterbrote mit Orangenmarmelade, glasklar gelesen von Gerd Zinck. Immer wieder stellt sich die Frage: Bist du es wirklich? Bist du Alice?

Spannend außerdem: In jeder der Kammern erlebt jeder das Schauspiel anders: Nur einem werden die Kopfhörer genommen. Er muss sich den Worten des „Hutmachers“ stellen, die anderen hören – über Kopfhörer – andere Passagen. So werden dir vielleicht in einem Raum Regeln zum Briefeschreiben gegeben, in einem anderen hörst du einen Brief, in dem die Wörter aus der Reihenfolge gelöst beim Zuhören keinen Sinn mehr ergeben. In einer Kammer mit Hochbetten fühlst du dich wie in einer Jugendherberge. Eine andere ist gerahmt von Blumen, in einer dritten – vielleicht gerade mit Spiegeln – bist du ganz auf dich selbst zurückgeworfen. Mit mal winzigem, mal übergroßem Teegeschirr kannst du wie Alice wachsen und schrumpfen.

„Schlaf ein oder wach auf“ – so werden die Zuschauer zum Ende ihrer Reise zur Bettstatt geleitet – ein Meer von Feldbetten in der Garage. Schade, dass diese Idee nicht neu ist. Vieles an dem Abend wirkt wie aufgewärmt von George Orwells „1984“ – mit dem in der vergangenen Spielzeit die Tiefgarage erstmals bespielt wurde.

„Das ist nicht meine Welt“, sagte eine Besucherin am Ende. Andere zeigten sich begeistert und beschrieben der Begleitung viele einzelne Erlebnisse. Denn wie schon bei „1984“ im vergangenen Jahr ist das eine wichtige Facette des Spektakels: Jeder der 80 Zuschauer erlebt seinen ganz eigenen Theaterabend.

Begeisterter Applaus krönte die Premiere.

Wieder am 22., 23. und 24.8., jeweils 18.30 und 20.30 Uhr. Karten und Information unter www.dt-goettingen.de

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