Saltimbanco: Eine farbenfrohe Zirkuswelt

Bremen. Farbenfroh – das ist das erste Attribut, das einem zum Cirque du Soleil einfällt. Seit Mittwoch gastiert der größte Zirkus der Welt in Bremen und will die Zuschauer mit seiner Magie verzaubern.

Welcher Aufwand hinter einer Produktion steckt, fällt bei einem Blick hinter die Kulissen auf.

Schon beim Betreten der Bremen Arena fällt einem die Fülle der Farben auf. Bunt Verzierungen auf und über der Bühne, Kostüme, die im Dunkeln wahrscheinlich leuchten würden: Es dauert nicht lange, bis man von in den Bann gezogen ist, auch wenn es nur die Proben sind, die am Mittwochnachmittag in der Arena den Journalisten gezeigt werden.

Zwei Jahre nach „Delirium“ gastiert mit „Saltimbanco“ die zweite und zugleich älteste Show des Cirque du Soleil in der Hansestadt. „Saltimbanco ist ziemlich simpel aufgebaut, da die Technik vor 18 Jahren noch nicht so weit ausgereift war“, sagt Pressesprecher Maxime Charbonneau. Gerade deswegen sei die Show der perfekte Einstieg in die Welt des Sonnenzirkus. Nachdem man fast 16 Jahre in einem Zelt auftrat, gastiert man seit 2008 nicht zuletzt aus finanziellen Gründen in Arenen. „Der Zeltaufbau und -abbau hat zusammen rund zwei Wochen in Anspruch genommen, der Aufbau und Abbau in den Arenen dauert jeweils nur einen Tag“, nennt Charbonneau einen der Gründe für die neue Strategie.

Nur 15 Trucks bräuchte man für den Transport von Bühne, Kostümen, Technik und weiterem Zubehör, zu Zeltzeiten waren es noch 50. Durch den schnelleren Auf- und Abbau könne man nun auch klleiner Städt besuchen, vorher waren nur die Millionenmetropolen rentabel. Damit das Zirkusflair in den hallen erhalten bleibt, wird die Hälfte der Bremen Arena abgehangen, rund 4000 Zuschauer können sich die Show ansehen. „Am Mittwoch werden wir nicht ausverkauft sein, am Wochenende allerdings schon“, prognostiziert Charbonneau.

Hinter der Kulissen des Cirque du Soleil

Hinter den Kulissen des Cirque du Soleil

Während auf der Bühne die rund 50 Akrobaten ihre Show einstudieren, arbeiten hinter der Bühne rund 45 Helfer am Feinschliff. Eine von ihnen ist Bettina Bolzer, Leiterin der Kostümabteilung. „Wir haben hier fast 2500 Gegenstände, das reicht von Kostümen über Schuhen bis hin zu Masken“, sagt die gebürtige Wienerin. Vor allem die Masken seien besonders wertvoll. „Das sind alles Unikate, die auf den Kopf des Akrobaten angepasst werden. Niemand nimmt hier die Maske eines anderen“, erklärt die 43-Jährige.

Durchschnittlich 5000 Euro kostet die Handanfertigung eines Accessoires, die der Farbenpracht der Kostüme in nichts nachstehen. Vier Festangestellte kümmern sich täglich um die Garderobe, dazu kommen noch vier Aushilfen, die immer vor Ort angeheuert werden. Täglich brauchen die Schuhe einen neuen Lackanstrich oder müssen Kostüme ausgebessert werden. In zahlreichen rollbaren Schränken werden Federn, Knöpfe oder Ersatzkostüme ausbewahrt. „Es gibt selten einen Tag, an dem wir wenig zu tun haben“, sagt Bettina Holzer, die seit zehn Jahren mit dem Zirkus durch die Welt reist. Eines mögen die Kandier nämlich nicht. "Bei uns geht es um Perfektionismus", sagt Maxime Charbonneau.

Täglich müssen die Schuhe mit einer Lackschicht angemalt werden.

Viel Geld wird in die Artisten investiert, da erhoffe man sich auch ein langes Bleiben der jeweiligen Person. Doch die hohen Invesitionen haben auch einen Preis, vor allem für den Besucher: Zwischen 56 und 95 Euro kostet das Ticket. "Dafür unterscheiden wir uns aber auch von den anderen Zirkusunternehmen. Bei uns entwickelt jeder Darsteller seinen eigenen Character und bringt seine Stärken ein. Dazu sollen auch immer die Besucher mit in die Show einbezogen werden", erzählt der Pressesprecher.

Eine die erst seit vier Jahren dabei ist, ist Joy Studer. Die 22-jährige Schweizerin ist die einzige deutschsprachige Artistin. „Als ich 15 war, wurde ich bei der Kunstturn-WM entdeckt. Damals wollte ich allerdings noch eine große Karriere als Turnerin machen“, erzählt die Luzernerin.

Nach einer schweren Verletzung die das Karriereende bedeutete habe sie ein Video an den Firmensitz in Montreal geschickt und wurde sofort angenommen. Nach fünfmonatigen Proben in Kanada ging es dann auf Welttournee, denn für die meisten Neulinge steht erstmal die Schauspielschule auf dem Programm. "Das war am Anfang sehr schwierig seinen Character einzubringen und Artistin zu werden", sagt Joy Studer.  

„Mittlerweile ist es eine Leidenschaft, für den Cirque du Soleil zu arbeiten“, freut fügt sie hinzu, auch wenn es ein paar Nachteile gebe: „Man hat keine eigenen vier Wände und übernachtet immer in Hotels. Außerdem sieht man seine Familie selten.“ Doch es sind die Vorteile und der Spaß an der Arbeit, die für die junge Schweizerin überwiegen und die Freude ist ihr bei ihren Auftritten anzumerken. Denn eines steht fest: Traurig soll keiner aus der Show gehen. „Ich verspreche, dass am Ende jeder ein Lächeln auf den Lippen haben wird“, meint Maxime Charbonnau, natürlich mit einem Lächeln.

Von Max Seidenfaden

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers

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