Die Festspiele blicken zum 90-jährigen Bestehen tief in die Vergangenheit - auch in die eigene

Salzburg feiert heuer den Mythos

Seine letzte Salzburger Spielzeit: Intendant Jürgen Flimm.

Salzburg. Die Skandale lauern hinter einem roten Samtvorhang. „Ich sehe kopulierende Paare“, sagt Helga Rabl-Stadler. Die Präsidentin der Salzburger Festspiele lacht, nachdem sie bei der Präsentation der Ausstellung „Großes Welttheater.

90 Jahre Salzburger Festspiele“ einen Blick hinter die schweren Stoffbahnen geworfen hat. Hier versteckt sich eine Videoinstallation über skandalträchtige Aufführungen, darunter die Tabori-Inszenierung „Das Buch mit sieben Siegeln“ von 1987. Das Stück wurde damals wegen vermeintlich obszöner Szenen wieder abgesetzt. Bis Ende Oktober widmet sich die an diesem Samstag beginnende Schau der Geschichte des Traditionsfestivals, das in diesem Jahr vom 25. Juli bis 30. August 191 Veranstaltungen umfasst.

Gemäß dem ursprünglichen Festspielgedanken „Die ganze Stadt ist Bühne“ ist die Schau auf die ganze Stadt verteilt. Das Dommuseum etwa nimmt die Geschichte des „Jedermann“ in den Fokus und reiht auf 45 Metern sämtliche Tischgesellschaften und „Jedermänner“ der vergangenen 90 Jahre aneinander.

Eine Enzyklopädie widmet sich - von A wie Architektur bis Z wie Zukunft - der wechselvollen Festspielgeschichte. Den Abschluss der Chronologie und Brückenschlag zu den diesjährigen Festspielen bilden original Manuskriptseiten von Wolfgang Rihms Oper „Dionysos“, deren Uraufführung am 27. Juli im Mittelpunkt des aktuellen Opernspielplans steht.

Publikumsmagnet ist aber Charles Gounods romantische Oper „Roméo et Juliette“ mit Superstar Anna Netrebko, dirigiert von Nachwuchsstar Yannick Nézet-Séguin. Richard Strauss’ „Elektra“ mit Waltraut Meier und Bellinis „Norma“ mit Edita Gruberova sind weitere Opern-Highlights.

Das spartenübergreifende Thema „Mythos“, das der scheidende Intendant Jürgen Flimm zum Abschluss gewählt hat, kommt im Schauspiel vielfach zum Tragen. Im Zentrum steht Peter Steins Inszenierung von Sophkles’ „Ödipus auf Kolonnos“ mit Klaus Maria Brandauer als Ödipus (Premiere: 26. Juli). Den „Jedermann“ mit Ben Becker inszeniert Christian Stückl, der für sein Oberammergauer Passionsspiel in diesem Jahr viel Lob erntete.

Neben den repräsentativen Auftritten der Wiener und Berliner Philharmoniker mit Stars wie Anne-Sophie Mutter und Elina Garana steht diesmal der Komponist Wolfgang Rihm im Zentrum des Konzertprogramms. (dpa/w.f.)

www.salzburgerfestspiele.at

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