Die Brasilianerin Izabel Padovani begeisterte im Schlachthof mit sonnigen Songs

Samba gegen das Heimweh

Brasilianisches Lebensgefühl: Sängerin Izabel Padovani. Im Hintergrund der Bassist Ronaldo Saggiorato. Foto: Schoelzchen

Kassel. Arme Brasilianer! Wer als Gast aus dem Zuckerhutland am Samstagabend dem Konzert von Izabel Padovani und ihrem Quartett im Kulturzentrum Schlachthof beiwohnte, konnte einem leidtun. Denn jeder Ton und Schlag beschworen heimatliches Lebensgefühl, ließen den Wind durch die Palmenblätter streichen und fütterten die Sehnsucht nach wärmenden Sonnenstrahlen.

Entfesseltes Spiel

Mit Bossa nova, Samba und Latinjazz in Perfektion sorgten die Musiker gleichzeitig für Heimweh, Staunen und Begeisterung bei den Zuhörern. Unter der Leitung des phasenweise entfesselt aufspielenden Bassisten Ronaldo Saggiorato schnurrte die kreative Selecção wie ein Uhrwerk.

Da konnte auch die knarrende Saaltür, die sich immer mal wieder in die Konzentration hineinstöhnte, nichts an dem Hörgenuss ändern. Eigene Kompositionen und zeitgenössische brasilianische Musik hatte sich Padovani in die Touragenda geschrieben.

Ein ambitioniertes Programm, das es in sich hatte. Man spürte, wie sie sich vor jedem Song sammelte, sich innerlich fokussierte auf die schweren Gesangslinien und Unisono-Passagen. Wenn ihr auch immer mal ein Seufzer entglitt, gelang ihr die Mischung aus technischer Dichte und Leichtigkeit auf brillante Art und Weise.

Völlig entspannt dagegen wirkte der Saxofonist, Flötist und Perkussionist Marcio Turbino. Lächelnd meisterte er alle Hürden und sorgte mit dem Gitarrenvirtuosen Pedro Tagliani für Puls und Räumlichkeit. Auch mit der Saalmischung traf man genau den Sound, der zwischen Effekt und Frequenz die optimale Transparenz garantierte.

Vielleicht nimmt ja jemand das Angebot von Padovani wahr, am 4. November in Wien das Abschlusskonzert der Tournee zu besuchen. Bei dem stürmischen Applaus wäre das nicht verwunderlich.

Von Andreas Köthe

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