Am Donnerstag in der Kasseler Stadthalle

Sammy Amara von der Band Broilers im Interview

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Sammy Amara

Am Montag war Sammy Amara auf dem Weg nach Berlin, wo er mit Stars wie Campino die deutsche Version des Band-Aid-Songs „Do They Know It’s Christmas“ aufnahm.

Auch das zeigt, wie weit es der 35 Jahre alte Sänger mit seiner Düsseldorfer Punkband Broilers gebracht hat, die am Donnerstag in der Kasseler Stadthalle spielt.

Ihr Album „Noir“ war auf Platz eins in den Charts. Wenn Ihnen das vor 20 Jahren jemand prophezeit hätte: Was hätten Sie demjenigen geantwortet? 

Sammy Amara: „Selbstverständlich“, hätte ich gesagt. Ich war damals 15 und ein frecher, kleiner Hosenscheißer. Aber im Ernst: Nicht mal im Traum hätten wir daran gedacht, das zwei unserer Alben mit Gold ausgezeichnet werden. Das ist absurd.

Es ist nicht einfach für eine Punkband, plötzlich Mainstream zu sein. Zuletzt haben Sie gesagt: „Wir können noch kolossal scheitern.“ 

Amara: Im kommerziellen Sinn können wir tatsächlich noch scheitern. Aber das wäre auch weniger schlimm, als menschlich zu scheitern. Wenn wir merken, dass wir nur noch lauwarme Scheiße machen, würden wir den Hut nehmen. Es ist uns wichtig, würdevoll Erfolg zu haben.

Wie erfolgreich ist man eigentlich in Zeiten sinkender CD-Verkäufe, wenn man auf Platz eins der Charts steht? 

Amara: Die Verkaufszahlen wären tatsächlich interessanter als die reinen Platzierungen. Ich kenne eine deutsche Band, deren Namen ich nicht nenne, die es Anfang des Jahres mit 6000 verkauften Alben auf Platz eins geschafft hat. So kaputt ist das Geschäft mittlerweile. Vor allem im Januar, wenn kaum neue Alben erscheinen.

Ihre Musik kann man auch bei Spotify hören. Wie wichtig sind legale Streamingdienste? 

Amara: Mir persönlich überhaupt nicht. Manche Konsumenten glauben, den Bands damit etwas Gutes zu tun. Wir bekommen von Spotify jedoch nur Minimalstbeträge, das ist besser als nichts, aber nicht okay. Selbst ein Künstler, dessen Songs extrem gestreamt werden, kann von dem Geld, das er von Spotify bekommt, am Ende des Jahres höchstens seine Freundin zum Essen einladen. Ähnlich ist das bei Youtube. Das ganze System krankt. Gesund werden kann es mit Spotify garantiert nicht.

Auf dem neuen Album hört man Einflüsse von Bruce Springsteen heraus. Wie haben Sie ihn für sich entdeckt? 

Amara: Das war vor ein paar Jahren im Treppenhaus. Eine Nachbarin wollte die Plattensammlung ihrer Tochter zum Sperrmüll geben. Ich habe mir die Springsteen-Alben mitgenommen. Bis dahin hatte ich mich überhaupt nicht mit ihm beschäftigt, weil ich ihn als stumpfen Patrioten abgestempelt hatte. Dabei ist er das gar nicht. Seine Musik war eine große Entdeckung für mich.

Auch Sie hatten mit Vorurteilen zu kämpfen. Man denkt nicht unbedingt, dass eine Band, die sich nach der Ostbezeichnung für Brathähnchen benannt hat, gute Musik macht. 

Amara: Wer den Namen Broilers hört, wird erst mal mit dem Kopf schütteln. Aber es ist doch herrlich, dass man es mit so einem Namen so weit bringen kann. Zudem ist es Düsseldorfer Tradition, mit scheiß Namen erfolgreich zu sein.

Broilers live: Donnerstag, 20 Uhr, Stadthalle Kassel.

Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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