Triosence gilt als eine der besten deutschen Jazz-Bands - die neue CD der Kasseler klingt nach Norah Jones

Ein sanfter Brückenschlag

Ein Urlaubsfoto wurde zum Albumcover von „Where Time Stands Still“: Bernhard Schülers Freundin, die Geigerin Andria Chang, vor dem Grand Canyon. Foto: Schüler / nh

Als Bernhard Schüler seine Freundin vor dem Grand Canyon fotografierte, wusste er, dass das ein gutes Motiv für das neue Album seiner Band Triosence wäre. Auf dem Bild sitzt Andria Chang vor der spektakulären Schlucht in Arizona, und es sieht aus, als stünde die Zeit still.

Das Urlaubsfoto ist zum Cover geworden von „Where Time Stands Still“, dem neuen Projekt der Kasseler-Kölner Formation, die mit der US-Sängerin Sara Gazarek Brücken über die Musikgräben schlägt. „Europäischer Jazz mit einer amerikanischen Betonung“, nennt es Pianist Schüler, dessen Urlaubsfoto es in die deutschen Jazz-Charts geschafft hat. Mit den zwölf neuen Stücken geht die vor elf Jahren in Kassel gegründete Formation die nächsten Stufe auf der Karriereleiter. „Es wird immer besser“, sagt Schüler, der nebenbei Musikunterricht gibt, über den kommerziellen Erfolg.

Schon mit ihrer CD „When You Come Home“ (2008) und melancholischen Instrumental-Kompositionen hatten er, Schlagzeuger Stephan Emig und Bassist Matthias Nowak für Aufsehen gesorgt. Ein japanischer Kritiker stellt gar fest, dass die Band „unseren Eindruck vom steifen deutschen Jazz weggewischt hat“. Verkopfte Musik mit krummen Takten war nie Schülers Sache, der in Lohfelden aufwuchs und in Köln Musik studierte, wo er seit Jahren lebt. „Unsere Musik muss Gefühle transportieren“, sagt der 31-Jährige.

Das funktioniert erst recht mit einer weiblichen Stimme. Schon vor sieben Jahren schrieb Schüler Stücke für eine Sängerin - nur fand er keine passende Künstlerin. Bis ihm der Gitarrist Frank Haunschild, der auch auf „Where Time Stands Still“ zu hören ist, die US-Sängerin Sara Gazarek empfahl. Schüler kaufte sich einige CDs der 28-Jährigen aus Los Angeles und war begeistert. Am 13. September 2008 schickte er die erste E-Mail nach Kalifornien. Gazarek, die als „nächste wichtige Jazz-Sängerin“ gepriesen wird, sagte sofort zu. Seitdem tauschten sich beide über Skype aus. Moderne Kommunikation macht die Welt kleiner als den Grand Canyon.

Die neuen, an Norah Jones erinnernden Triosence-Songs sind nun noch geschmeidiger und wärmer. Man merkt nicht, dass monatelang „kontrovers“ gebastelt wurde, wie Schüler sagt. Ein Stück handelte ursprünglich davon, wie jemand seine Traumfrau sucht. „Zu kitschig“, befand Gazarek. Nun wird die Geschichte in „Maybe There’s A Princess Waiting“ aus weiblicher Sicht erzählt.

Schülers Traumfrau ist ebenfalls zu hören: Freundin Andria Chang spielt Geige. Für Bassist Nowak, der zum Studium in die USA ging, sprang Ingo Senst ein. Triosence bleiben jedoch ein Kasseler Trio. Auch Emig stammt von hier. Oft proben sie in Nordhessen. Und ab dem Frühjahr wird ihre Musik an einem Ort zu hören sein, der so etwas wie der Kasseler Grand Canyon ist: Ein Film im neuen Besucherzentrum am Kasseler Herkules wird mit Triosence-Stücken unterlegt.

Triosence ft. Sara Gazarek: Where Time Stands Still (Sony). Wertung: !!!!:

Triosence und Sara Gazarek treten morgen, 20.30 Uhr, und am 11. Januar im Kasseler Theaterstübchen, Jordanstraße 9 auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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