In der Sardinenbüchse: Die engste Galerie der Welt

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„Wieder Amerikaner in Venedig eingeklemmt“: Beitrag des Kasselers Gerhard Glück für die Ausstellung „Claustrophobia“. Foto: nh

WIEN. „Aus Sicherheitsgründen sind maximal 200 Personen gleichzeitig zugelassen.“ Der fürsorgliche Hinweis hängt am Eingang zum „Raum 66“, dem neu eröffneten Ausstellungskabinett der Galerie der Komischen Künste im MuseumsQuartier. Beim Öffnen der Tür erweist er sich als Generator des ersten Lachers: Der Besucher betritt einen genau 66 Zentimeter breiten (daher der Name), maximal dreieinhalb Meter großen Raum, der einst als Lager für Bilderrahmen und andere Flachware diente.

Diese „engste Galerie der Welt“, in der nicht einmal zehn Prozent der zugelassenen Besucher Platz fänden, es sei denn, diese erfüllten Heidi Klums Top-Model-Kriterien, beherbergt genau die Ausstellung, die ihr, buchstäblich, „angemessen“ ist: „Claustrophobia - Cartoons zur Enge“.

Der Auftakt obliegt dem Kasseler Gerhard Glück, mit dessen Werken die Galerie der Komischen Künste vor dreieinhalb Jahren ihre Pforten geöffnet hatte. Sein Cartoon „Wieder Amerikaner in Venedig eingeklemmt“ zeigt, mit gewohnt souveränem Pinselstrich aufs Papier gebannt, zunächst einmal genau das, was der Titel verheißt: Für die schmalen Gässchen der Lagunenstadt ist der fettleibige Fast-Food-Konsument einfach nicht geschaffen. In der drangvollen Enge des „Raum 66“ aber schwindet die innere Distanz des mit normalem bis idealem Body-Mass-Index ausgestatteten Betrachters zum XXL-Körper zugunsten einer ungewohnten Identifikation.

Diese nimmt er mit auf den schmalen, mit Preziosen zum Thema dennoch reich bestückten „Parcours“. So bleibt selbst der Blick auf Kai Pannens Cartoon „Maria in Öl“, der die Gottesmutter, von Sardinen umrahmt, in einer Büchse liegend zeigt, nicht neutral, sondern zumindest von einem Gran Einfühlung angereichert - findet doch auch er selbst sich augenblicklich in einer durchaus vergleichbaren Situation.

Bernd Zellers „Klaustrophobikerinnenburka“ hingegen, ein fast schon kommodes Zelt, bietet stellvertretend das bisschen Bewegungsfreiheit, das im „Raum 66“ nur vor und nach den Besuchszeiten vorhanden ist. Ein intelligentes Konzept, in dem der Raum eine tragende, atmosphärisch bestimmende Rolle spielt, mit einer Künstlerliste, die zum Thema vieles mit überraschenden Aspekten zu sagen respektive zu zeichnen hat, außer den Genannten unter anderem Rudi Hurzlmeier, Ari Plikat, Til Mette, BECK, Oliver Ottitsch und Michael Dufek.

Raum 66, Galerie der Komischen Künste, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, Wien, bis 31.8.2014 www.komischekuenste.com

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