Satire zum Fest

Rissen ihr Publikum zu Begeisterungsstürmen hin: Katharina (links) und ihre Mutter Sabine Wackernagel beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Es weihnachtete sehr – es wackernagelte sehr. Zumindest für all jene, die am Vorweihnachtsabend in das Theaterstübchen kamen, ging diese Gleichung auf.

Jeder zusätzlich aufgestellte Stuhl fand reißenden Absatz, um dem köstlich satirisch gefärbten Programm der Kasseler Schauspielerinnen Sabine und Katharina Wackernagel im Sitzen lauschen zu können.

Deren Rezitationen, Kommentare und Lieder drehten sich um das Thema „Damen unter sich“, besser gesagt um das, was Schriftstellern wie Robert Gernhardt, Kurt Tucholsky, Frank Wedekind, David Sedaris und noch einigen mehr einst dazu einfiel – wenn sich Spott, Satire, abstruse Erkenntnisse oder kleine Abrechnungen in die Feder schlichen.

Schon wenn man diese Texte liest, sind sie ein Vergnügen. Mutter und Tochter Wackernagel formten daraus amüsante Unterhaltungskunst. Tief tauchten die beiden in ihre Figuren und Geschichten ein, verstellten die Stimme, lebten die Charaktere vor und setzten gekonnt und wirkungsvoll die Pointen.

Man nehme nur die Dialoge zwischen Fanny Müller und ihrer literarischen Figur, der alten Nachbarin „Frau K.“ Deren Liebster hatte die Alte einst verlassen – „wegen Liebe und Erotik“. Ihr Kommentar dazu: „Wir hatten uns 1935 kennengelernt. Da gab’s so was noch nicht.“ Für Schmunzeln und Zwischenapplaus sorgten auch Tucholskys Erkenntnis: „Es wird nach einem Happy End im Film jewöhnlich abjeblendt“ und Friedrich Hollaenders Bekenntnisse der zersägten Dame: „Er kam, sah und sägte.“

Mit einer „literarischen Annäherung an das Tierreich“, denn „auch da gibt es Damen und Hyänen“, begeisterten Wackernagels nach der Pause. Vom Wichteln der Tiere auf einem Bauernhof, bei der eine Pute als Weihnachtsschmaus enden soll, war die Rede. Und von „Storchenmüttern“, die ihren Kindern erzählen, dass „magische Mäuse die kleinen Babys bringen“. Das Publikum war begeistert und spendete viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.