Programm „Im Herzen jung“

Amigos-Parodie: Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer zu Gast in Vellmar

Böse Zungen: Oliver Welke (links) und Dietmar Wischmeyer, hier bei ihrer Amigos-Parodie. Foto: Hedler

Vellmar. Oliver Welke, Moderator der "heute show" und Kabarettist Dietmar Wischmeyer gastierten am Mittwochabend in Vellmar - als Coverband der Amigos.

Sie kamen allen Ernstes als Die zwei Flamingos, als „einzige Amigos-Coverband der Welt“, auf die Bühne: ZDF-„heute-show“- und Fußball-Moderator Oliver Welke und Kabarettist Dietmar Wischmeyer bestritten ihr Programm „Im Herzen jung“ Mittwochabend in der rappelvollen Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen in knallroten Anzügen, die denen ihrer Vorbilder in nichts nachstanden: „Lady Gaga würde sagen: Zu crazy, das hätte ich nie anziehen können.“

„Na, habt ihr jetzt Angst?“, fragte Welke nach der Amigos-Karaoke samt synchron geschwenkten Gitarren. „Ich hätte.“ Die Amigos-Parodie sei ihr zweites berufliches Standbein, ein Sicherheitsnetz, so der 49-Jährige, denn die ZDF-Zuschauer seien zwar „sehr treu, aber eben in ein paar Jahren auch sehr, sehr tot“.

Es blieb nicht beim „Fanal der Ranzigkeit“ und der Hommage an die „zwei Zeckenzüchter mit patentiertem Verführerblick“, die aussehen wie ein „gerupfter Archaeopteryx“. Die Comedy-Autoren, die gemeinsam für das im Norden populäre „Frühstyxradio“ tätig waren, brachten einen satirischen Rundumschlag, der von der ungehaltenen Neujahrsansprache aus dem Papierkorb des Bundespräsidenten („Ihr seid zu doof, zu fett und guckt zu viel Scheiße im TV“) bis zu Fußballersprüchen und launigen Kommentaren zu Diktatoren- und Politiker-Fotografien reichte.

Es gab Ausschnitte aus der „heute-show“, wo Wischmeyer unter anderem das „Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten“ führt, und der 58-Jährige erklärte als „Willi Deutschmann“ mit Cordhut auf der „morschen Murmel“ und in einer Windjacke „in der Farbe flüssigen Pudelkots“, dass der Deutsche zumindest im Herbst keine Zeit hat, fünfmal am Tag auf Knien zu rutschen, weil er Laub fegen muss: „Da macht sich der Mensch aus der Wüste ja keinen Begriff, da ist der Muselmane fein raus.“

Man spricht ja gern von einem Feuerwerk der Gags. Dies war ein Rundumschlag mit dem Flammenwerfer. Welke/Wischmeyer zogen kräftig vom Leder, zielten treffsicher und unentwegt unter die Gürtellinie. Das Publikum jubelte. Die beiden schenkten auch einander nichts, wenn Wischmeyer den Fußball-WM-Moderator als „kleine gewissenlose Ansagernutte“ bezeichnete. Welke rutschte einmal raus: „Du kommst echt in die Hölle.“ Und ironisch: „Du magst Menschen, es hat diese Wärme.“

Im Feuer standen zum Beispiel die Fifa-Ethikkommission: „Klingt wie IS-Frauenbeauftragte.“ Die Bildungspolitik: „Jedes kleine Pillermann-Bundesland darf seine Experimente am Kindergehirn machen.“ Das erste Wort, das kleine Syrer lernten, sei: Brückentag. Das Internet: „Da treffen sich alle Dorftrottel und bestätigen sich in ihrer Vertrotteltheit.“ Das Gewehr G36: „Das schießt so, wie ein Mädchen wirft.“ Und der thüringische AFD-Fraktionsvorsitzende Björn – in der „heute-show“ konsequent „Bernd“ genannt – Höcke: Der Brief von dessen Anwalt, eine Klage wegen Volksverhetzung, sei, so Welke, „mit das schönste gewesen, was mir 2015 passiert ist“: „Ich freu mich tierisch auf den Prozess.“

Zwei rote Fäden waren auszumachen. Der eine: Die deutsche Überalterung, oder „Wie altert man in Würde?“ Man lästerte über zwanghaft mopsfidele Senioren im Freizeitlook („ein Muscle-Shirt heißt nicht zufällig so“), über ostwestfälische Samba-Seniorengruppen, „Best Ager in der Kompostierungsphase“, Senioren, die im Fitnessstudio alle Geräte besetzen, statt „im fahlen Licht von Sat1 Gold vor sich hin zu verwesen“, und durchtrainierte 80-Jährige („Rennknorpel“), über „Wackelknochen“ und „Tatterknaben“, die die SB-Waschanlage als feuchten Traum empfinden. Ein Zeichen des Alters? „Männer werden alt, wenn sie Harleys für Motorräder halten.“

Auch die alt gewordene Generation der „Cassettenmenschen“ bekam es ab, die als spießige Retro-Jugend bei sommerlichen Open-Airs noch mal die Bands feiert, deren Namen sie früher aufs Federmäppchen schrieb, und immer noch „Sausen aus dem Mofazeitalter“ feiert. Eine mögliche Lösung: Tanzverbot ab 50. Illustriert mit Claudia Roth auf dem Tanzparkett.

Ein zweiter roter Faden war der Spott über das alltägliche „kleinkarierte Rumgenörgel“ und Gejammer von „verbiesterten Nörgelweibern“, „bewussten Idioten“, den „bewusst lebenden Gutverdienern“. „Mäkelnde Arschmaden“, die sich immer übervorteilt glauben und die Blaubeeren auf der Sahneschnitte einzeln abzählen, um nur nicht zu kurz zu kommen.

Die Zugabe, der „Sprachkurs Ostzonisch“ mit der Bestellung eines „Grobba“ (Grappa) hatte in Dresden für eine „latente Lynchstimmung“ gesorgt, berichtete Welke: „Schon sprechen doppelt so viele Syrer Deutsch wie Sachsen.“

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