Wie der Satiriker Wiglaf Droste bei seinem Leseauftritt im Theaterstübchen böse abstürzte

Schräger Auftritt: Wiglaf Droste. Archivfoto: dpa

KASSEL. „Schreib’ alles genau so auf, wie es war!“ „Wie bitte?“ Die Show ist vorbei, Menschen erheben sich von ihren Plätzen, es ist etwas laut und ich verstehe den schlanken jungen Mann kaum. „Schreib es so auf, wie es war!“, sagt der noch mal und beugt sich zu mir herunter.

Also: Wiglaf Droste (51), bekannter Satiriker und Autor, liest an diesem Donnerstag im Theaterstübchen unter anderem aus seinem neuen Buch „Sprichst du noch oder kommunizierst du schon?“ Es kommen etwa 60 Gäste.

Die Texte sind mittelmäßig, in hellen Momenten okay, und es geht häufig um Sprache. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Der Rest ist kalkulierter Absturz: Droste trinkt und liest dazu. Jemand ruft etwas hinein. Droste will sich mit dem Publikum prügeln. Er schimpft auf die documenta und auf Deutschland.

Noch ein Text (irgendetwas über Samenfäden) und ein Lied, dann ist Pause. Es werden Plakate für Max Goldt aufgehängt, aber der kommt leider erst im Februar. Dann ist die Pause vorbei, es folgen weitere Texte. Droste will Wein, sonst liest er nicht weiter.

Die Bedienung ist jung und hübsch. Er macht ihr schöne Augen. Wieder Wein. Droste fällt vor ihr auf die Knie - auweia! Endlich Schluss.

Etwa 20 Leute verlassen den Saal. Zugabe! Droste hat schon ein ganz rotes Gesicht. Dauernd verliest er sich. Ein Stapel Zettel fällt ihm aus der Hand, eine Frau schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Noch ein Lied! Er steht gefährlich nah am Bühnenrand, die Hände in den Taschen und lallt. Hoffentlich fällt er nicht - es geht ja schon ein Stück nach unten. Nein. Ende, aus, vorbei. Typischer Fan-Applaus. Bitte nicht wiederkommen!

Von Lennart Martens

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