Die britische Soul-Sängerin Adele verzückt auch auf ihrer zweiten CD mit Liebesleid

Ein sauberes Mädchen

Uneitel trotz einer unfassbar tollen Stimme: Die Londoner Sängerin Adele (22) sieht sieht sich als Gegenentwurf zum typischen „Pop-Bimbo“. Foto: XL Recordings

Wahrscheinlich hat man es nicht leicht als Freund von Adele Adkins. Das Mädchen pflegt Marotten, von denen eine ausgeprägte Putzsucht die abschreckendste ist. „Gib mir einen Staubsauger, und ich flippe aus vor Freude“, sagt Adele beim Gespräch in einem picobello makellosen Hamburger Hotelzimmer. „Das ist eine Obsession, die jeden verrückt macht.“

Die 22-Jährige aus Tottenham im Norden Londons ist also wenig überraschend wieder Single, was sie durchaus gut findet. Denn ohne regelmäßige Trennungsdramen gäbe es keine singende, songschreibende, die Welt erobernde, hinreißende, öffentliche Adele.

Ihr wunderbar traurig-souliges Debütalbum „19“, für das sie 2008 zwei Grammy-Awards und jede Menge Jubel erntete, handelte von vorn bis hinten von der schönen, doch schiefgelaufenen Beziehung zu ihrem Ex-Freund. Und „21“, die neue Platte? Adele atmet ein, lacht und brüllt fast: „Ex-Freund! Mistkerl! Arsch!“ Es ist nicht derselbe, sondern der nächste. „Ohne die Typen ist mein Leben uninteressant. Was sollte ich denn singen? Dass ich im Kino war oder ein Bier getrunken habe? Nein. Total öde.“

Von der stilistischen Austoberei, der sich Adele auf „21“ hingibt, auf die Dramatik der vor einem Jahr kaputtgegangenen Liebe zu schließen, sei richtig, sagt Adele. So kam ihr die Idee für die erste Single, den sympathisch dreckig klingenden Soulgospeldisco-Knaller „Rolling In The Deep“ in einem Taxi in Amsterdam - unmittelbar nach dem finalen Streit. „Der Song ist mein verbaler Kotzschwall in seine Fresse“.

Dass in der zweijährigen Beziehung nicht alles schlecht war, vermittelt die Absolventin der Londoner „Brit School for Performing Arts“ in großen, mächtigen („Turning Tables“) oder kleinen, zarten Balladen wie „Someone Like You“.

Arbeit mit Rockguru Rubin

Dass ihre neue Platte so facettenreich ist, schreibt Adele nicht ihrem Verflossenen, sondern ihrem US-Tourbusfahrer zu. „Er kam aus Nashville und hat mir ohne Ende Country, Bluegrass und HipHop vorgespielt.“ Aufgenommen hat sie ihr Album in Malibu, im Studio von Rockguru Rick Rubin. Auch nicht ganz ihr Ding. „Zehn Minuten draußen, und ich hatte Hitzepickel und eine rote Matschbirne. Ich war ein übler Anblick.“

Doch das macht Adele nichts. Die Frau ist für ihre Branche überaus uneitel („Die Leute mögen an mir, dass ich nicht so ein typischer Pop-Bimbo bin“). Zudem plant sie zunächst keinerlei Liebesanbahnungsversuche. „Ich habe beschlossen, mindestens zwei Jahre allein zu bleiben. Dann werde ich ein Ex-Freund-freies drittes Album aufnehmen.“ Falls sie mit dem Vorsatz bricht, hat Adele versprochen, meine Wohnung zu putzen.

Adele: 21 (XL Recordings / Beggars Group / Indigo).

Wertung: !!!!!

Von Steffen Rüth

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