Neu im Kino: Nina Hoss ist die Attraktion in Dennis Gansels Vampirfilm „Wir sind die Nacht“

Vampirfilm „Wir sind die Nacht“: Die schärfste Blutsaugerin

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Damit sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen kann: Louise (Nina Hoss, links) vernascht gleich Lena (Karoline Herfurth).

Mehr als zehn Jahre ging Dennis Gansel mit dem Drehbuch zu „Wir sind die Nacht“ in der deutschen Filmszene hausieren. Aber für einen Vampirfilm „Made in Germany“ konnte sich kein Finanzier erwärmen.

Da halfen auch keine filmhistorischen Verweise, dass in Deutschland mit F.W. Murnaus „Nosferatu“ 1922 einer der Grundsteine des Genres gelegt wurde.

Aber dann kam „Twilight“ und bewies, dass der gute, alte Mythos des Blutsaugers scharenweise junges, williges Zuschauervolk in die Kinos treibt. Da wurden die Produzenten wach, und Gansel durfte unter dem Dach von Bernd Eichingers Constantin Film seine Vorstellung eines neuen deutschen Vampirfilmes realisieren.

Aber erst einmal musste das Drehbuch umgeschrieben werden, weil die Geschichte zu sehr an „Twilight“ erinnerte. Nur die Hauptdarstellerin blieb dieselbe, auch nach zehn Jahren. Nina Hoss gibt die Obervampirette. Sie ist wunderbar gegen das eigene nachdenkliche Image besetzt und die eigentliche Attraktion des Films. Mit morbid-erotischer Aura knüpft sie an ihren Vorgänger im deutschen Vampirgewerbe Klaus Kinski an.

Durch die Geschichte führt jedoch die junge Lena (Karoline Herfurth), die als Straßendiebin durch das Berliner Großstadtleben streunt und nachts in einem illegalen Club strandet, in dem Louise (Hoss) und ihre Freundinnen Charlotte (Jennifer Ulrich) und Nora (Anna Fischer) den Vampirnachwuchs rekrutieren. Schon bald bohren sich Louises Zähne lüstern in Lenas Hals, und das verwahrloste Mädchen erstrahlt zu neuer Schönheit.

Mit Porsches und Lamborghinis brausen die Mädels durch die Partynächte, bevor sie am Morgen in ihre verdunkelte Luxussuite abtauchen. Aber dann verliebt sich die untote Lena in den Kriminalkommissar Tom (Max Riemelt), der dem mörderischen Treiben der Damen bald auf die Spur kommt.

Gansel lässt es auf seiner Genreparty kräftig krachen. Das Kunstblut fließt in Strömen, und die Berliner Clubszene wird zum hedonistischen Vampirparadies hochstilisiert. Die Story hingegen ist trotz allem Stilwillen etwas dünn ausgefallen, die lesbische Vampirettenwelt wird gegen den Prinzen aus dem Polizeirevier etwas zu stereotyp ausgespielt, und letztlich fehlt „Wir sind die Nacht“ dann doch der entschiedene Wille zum Genretrash. Aber Nina Hoss ist das Ticket wert. Mit ihr würden wir ohne zu zögern im goldenen Porsche davonbrausen und - wenn es denn sein muss - in der Morgensonne verglühen.

Genre: Vampirfilm

Altersfreigabe: ab 16

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

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