Künstlergruppe wohnt sechs Wochen lang in einem leer stehenden Geschäftshaus - viele Veranstaltungen

Sie schaffen sich ein kreatives Zuhause auf Zeit

Willkommen im Wohnzimmer: Janosch Dietrich (von links), Lisa Tiemann, Rodrigo Tapia, Jeruna Tiemann und Matthias Laminski richten sich ein. Foto: De Filippo

Kassel. Wer in eine neue Wohnung zieht, hat jede Menge zu tun: Kisten schleppen, Möbel aufstellen, dekorieren. So geht es gerade auch den Mitgliedern des Berliner Vereins Moviemiento. Vor wenigen Tagen haben sie ein bislang leer stehendes Gebäude an der Sickingenstraße in Kassel bezogen. Für die nächsten sechs Wochen wird es ihr Zuhause sein. Ein Ort des Zusammenlebens, ein Ort für kreative Experimente.

„Temporary Home“ heißt das Projekt. Ins Leben gerufen haben es unter anderem Janosch Dietrich, Jeruna und Lisa Tiemann - drei Kasseler, die inzwischen in Berlin leben. Vor fünf Jahren wagten sie zum ersten Mal das Experiment und wohnten eine Zeit lang gemeinsam mit anderen Kreativen in einem leer stehenden Geschäftshaus. Parallel zur documenta 12 organisierten sie Veranstaltungen und lernten Menschen kennen. „Das hat großen Spaß gemacht und war ein voller Erfolg, deshalb gibt es nun eine Fortsetzung“, sagt Dietrich. Vor fünf Jahren waren es die Themen Heimat und Herkunft, mit denen sich die Gruppe beschäftigte. Diesmal wird es um das Gefühl von Heimat in Zeiten von Krisen gehen - seien es private oder globale.

„Uns interessiert, wie sich Krisen auf unsere Vorstellung von einem Zuhause auswirken“, erklärt Jeruna Tiemann.

Für die kommenden sechs Wochen hat das Organisationsteam ein riesiges Programm erarbeitet: Geplant sind eine Ausstellung, Konzerte, Künstlergespräche, Performances, Workshops und sogar Kochkurse. Zudem haben die Kurzzeit-Kasseler mehrere Künstlergruppen eingeladen, die mehrere Tage ebenfalls im Temporary Home leben und arbeiten werden. Zum Beispiel die Theatergruppe „El Masrah“ aus Ägypten, die die Krisensituation des eigenen Heimatlandes aufgreift. Auch Gäste von polnischen und französischen Partnerorganisationen werden im Laufe der sechs Wochen zu Gast sein. Zudem sind spontane Besucher jederzeit willkommen. Es wird also mitunter voll im Zuhause auf Zeit.

Die Ausstellung wird mit einer Vernissage am heutigen Freitag, 13. Juli, ab 20 Uhr eröffnet. Danach ist das Temporary Home, Sickingenstraße 7-9, an sechs Tagen in der Woche (nicht Dienstag) ab 15 Uhr geöffnet. www.temporaryhome.org

Von Pamela De Filippo

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