Ein Küchenphilosoph: Marcus Rudolph in der Satire „Wer kocht, schießt nicht“

Scharfer Humor über fades Essen

Kulinarisches Glück mit Tütensuppen? Das geht Marcus Rudolph auf die (Geschmacks-)Nerven. Foto:  nh

KASSEL. Was hält das moderne Entertainment nicht an annehmlichen Überraschungen bereit? Scheint spätestens mit „Avatar“ das 3D-Kino etabliert, so bieten südkoreanische Kinosäle schon längst eine vierte Dimension. Wassergesprenkel und Duft verströmende Pumpen machen dort bereits das Filmerlebnis perfekt.

Dabei kann man das auch viel einfacher haben: Der Geruch von brutzelndem Brathähnchen und hausgemachter Pasta wehte dem Publikum am Donnerstagabend von der Bühne der ausverkauften Komödie entgegen. Dort bewies Marcus Rudolph in Michael Herls sinnreicher, wortgewaltiger Satire „Wer kocht, schießt nicht“ unter der Regie von Knut Schakinnis und Christian Schliehe sein grandioses schauspielerisches Talent und seine Wandlungsfähigkeit.

Vor allem steril

Die Story: Der arbeitslose Molekularbiologe und leidenschaftliche Hobby-Koch Dr. Kögel soll – so gar nicht nach seinem Geschmack – das Sortiment der Fastfood-Kette „Schnell und Lecker“ anpreisen. Deren Wahlspruch: Bequem, zeitsparend und steril muss es sein, das Essen von heute.

Wer will schließlich noch die Karotte aus dem Garten, an der sabbernde Wühlmäuse nagten und Maulwürfe ihre ranzigen Bäuche rieben? Da macht es auch nichts, wenn in der Spargelsuppe gerade mal sechs Prozent des königlichen Gemüses zu finden ist.

Überzeugend mimte Rudolph zunächst den penetrant-begeisterten Kochstudio-Moderator einer Dauerwerbesendung und schlüpfte dann in die Rolle des schüchternen Dr. Kögel.

Statt seinem neuen Chef nach dem Mund zu reden, erzählte der lieber von den hunderten auseinandergeschredderten Hühnchenteilen, die zusammengepresst in ein Chicken-Nugget passen, oder er parodierte moderne Essgewohnheiten mit Metaphern von fliegenden Ananas-Formationen, die Mitte November aus dem Süden aufbrechen, um den heimischen Weihnachtstoast zu garnieren.

Das brachte viel Beifall, Gelächter und nachdenkliche Zustimmung. Ein Stück, nach dem man gleich essen gehen möchte. Aber nicht gerade beim Schnellimbiss.

Komödie Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 39, jeweils mittwochs bis sonntags. Karten: 0561 / 18383.

Von Carolina Rehrmann

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