Sir Ben Kingsley im Interview über seine Rolle in "Der Diktator" 

Sir Ben Kingsley spielt in „Der Diktator“ Tamir (links), den Onkel und engsten Berater des arabischen Machthabers General Aladeen von Wadiya, den Sasha Baron Cohen verkörpert. Foto: dapd

Ben Kingsley (68) traut sich was. An der Seite von Sasha Baron Cohen ist er in dessen neuer Chaos-Komödie „Der Diktator“ zu erleben.

Dabei begann seine Filmkarriere so friedlich: 1983 wurde er mit der Darstellung des „Gandhi“ weltberühmt.

Hat Sasha Baron Cohen wie in „Borat“ und „Brüno“ erneut die Grenzen des guten Geschmacks überschritten?

Ben Kingsley: Wir standen schon für „Hugo Cabret“ gemeinsam vor der Kamera, hatten jedoch nur eine Szene, während wir jetzt einen kompletten Film in New York beenden konnten. Wir fühlen uns sehr nah, und außerhalb seiner Rollen ist er wieder ganz bei sich. Man kann ihn nicht mit Peter Sellers vergleichen, der sich immer hinter einer Maske versteckte und mit verstellter Stimme sprach, sodass man den echten Peter nie kennenlernen konnte. Sasha ist Sasha - intelligent, scharfsinnig und freundlich.

Und wie empfanden Sie es, wenn er wieder zum „Diktator“ wurde?

Kingsley: Das stellte ich mir so ähnlich vor wie mit den Marx Brothers in einem Marx-Brothers-Film mitzuspielen oder mit Charlie Chaplin einen Charlie-Chaplin-Film zu drehen. Er arbeitet sehr eng mit seinem Regisseur zusammen, sodass am Set große Demokratie herrschte, die so weit führte, dass auch andere Vorschläge machen durften und sogar improvisierten.

Teilen Sie mit ihm auch den Humor?

Kingsley: Der komödiantische Rhythmus und der Geschmack sind allein Sashas Angelegenheit, und es war sehr aufregend, neben so einem Meister agieren zu dürfen. Er ist sehr genau in dem, was er macht, und an seiner Seite muss man gar nicht erst versuchen, komisch sein zu wollen. Man sollte es noch nicht mal versuchen.

Wie würden Sie Ihre Rolle im Film beschreiben?

Kingsley: Ich bin sein Minister für Sicherheit und Zuhälter seiner Frauen. Ich will ihm helfen, vor den Vereinten Nationen zu sprechen. Es gab ein striktes Drehbuch, an das wir uns für drei Aufnahmen streng hielten. Danach spielten wir, insofern gab es auch die Möglichkeit zum Improvisieren, auch wenn die Story genau festgelegt war.

Wird es nicht mal Zeit, selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen?

Kingsley: Was ich getan habe, ist, eine eigene Produktionsfirma zu gründen, um eine Reihe von Filmen selbst realisieren zu können, bei denen ich dann auch gern als Schauspieler dabei wäre. Aber ich hatte nie Ambitionen, Regisseur zu werden. Meine Aufgabe besteht gerade darin, Drehbuchautoren und Regisseure zu finden und das Geld zur Finanzierung der Filme aufzutreiben, was wirklich nicht einfach ist. Momentan fühle ich mich sogar mehr wie ein Produzent und weniger wie ein Schauspieler.

Für „Hugo Cabret“ standen Sie mit Kindern vor der Kamera. Unter Schauspielern heißt es oft, niemals mit Kindern und Tieren zu arbeiten.

Kingsley: Ich frage mich immer wieder, wer das mal in die Welt gesetzt hat, und ich verstehe auch nicht, warum das immer noch als die Wahrheit empfunden wird, obwohl es doch purer Unsinn ist.

Ich halte das für eine Verschwörung gegen Kinder. Ich liebe es, mit Kindern zu spielen, und jeder Schauspieler wird Ihnen das Gleiche sagen, dass die Natürlichkeit, mit der Kinder spielen, eine wahre Freude ist. Ich mag es, darauf zu reagieren, was sie mir geben.  (Ricore)

Von Markus Tschiedert

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