Jamie Hince, Verlobter von Kate Moss, überzeugt mit seinem Duo The Kills

Im Schatten des Models

Galten schon vor acht Jahren als das wichtigste Garagenblues-Gespann des Planeten: Der britische Gitarrist Jamie Hince und die US-Sängerin Alison Mosshart von den Kills. Foto: Blackbill / nh

Anfangs war es ein bisschen unerfreulich für Jamie Hince. Der Gitarrist galt als eher scheue Hälfte des Londoner Duos The Kills, als der musikalische Macher im Hintergrund. Aber so ein Hintergrund bietet kaum Versteckmöglichkeiten, wenn eine Gruppe nur aus zwei Musikern besteht.

Dann kam Hince auch noch mit Kate Moss zusammen und wurde fortan als Boyfriend des Jahrhundert-Models ins grelle Scheinwerferlicht des britischen Boulevards gezerrt. Genervt, mitunter sogar schwer wütend, brach Hince so manches Interview ab, weil seine Gesprächspartner über ihn und seine Musik gar nicht sprechen wollten. Deshalb schnell zurück zur Musik.

Längst wirkt das Duo jedoch wie aus einem Guss. Und auf Fotos schaut Hince nur noch selten drein wie ein durchgeprügelter Hund. Vielleicht bildet man sich das alles auch nur ein: Aber der 42-Jährige und seine zehn Jahre jüngere musikalische Partnerin Alison Mosshart strahlen mittlerweile so etwas wie eine lässige Ruhe unter der Coolness aus.

Die Veröffentlichung ihres Debüts „Keep On Your Mean Side“ ist acht Jahre her. Und galten sie damals neben den White Stripes als hippstes Garagenblues-Gespann des Planeten, so haben sich die Zeiten und musikalischen Moden - trotz des Erfolges der Black Keys, die einen ähnlichen Sound präferieren - geändert. Da bleibt vielleicht einfach übrig, worum es eigentlich gehen sollte: Musik machen - weitermachen, um der Musik willen. Das nimmt den Druck.

Nun auch zum Mitsingen

Und sie hat sich sogar ein Stück bewegt, die Musik: „Blood Pressures“ will kein abgenagtes Rumpel-Blues-Knochengerüst sein. Manche Autoren würden schreiben: Das Album schöpft aus dem Vollen! Der Gefahr, das Rad aus Versehen neu zu erfinden, sind die Kills indessen nicht erlegen. Das Minimum bleibt das Maximum: Dominante Drums und Drum-Machine und eine gelegentlich aufjaulende Gitarre trocknen schepperndes Geschirr. Alison Mossharts energischer Gesang führt durchs Geschehen. Der Hall? Bleibt ein Muss.

Ungewohnt hingegen sind knackige Präsenz, pointierte Direktheit, das höhere Gesamtvolumen eines insgesamt dichter produzierten Sounds sowie eine von Nick Cave und den Beatles inspirierte Balladenhaftigkeit einiger Songs. Endlich können Kills-Fans Stücke ihrer Lieblinge unter der Dusche mitsingen. Wenn das keine gute Nachricht ist. Die Garage hat Tapeten gekriegt. Allein, es ist und bleibt eine Garage. Drin wohnen möchte man nicht, tanzen schon.

The Kills: Blood Pressures (Domino Records / Goodtogo). Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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