400 Blätter mit Zeichnungen von Burgen, Gutshöfen, Herrenhäusern und Bauentwürfen werden wissenschaftlich erschlossen

Architekturzeichnungen von Landgraf Moritz sind bald im Internet zu sehen 

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Froh über das Erreichte: Bibliotheksleiter Dr. Axel Halle (von links), Dr. Ulrike Hanschke (Handschriften-Abteilung), Helmut Bernert (Vorsitzender Freundeskreis), Christina Vogt (Sparda-Bank) und Hartmut Müller (Freundeskreis).

Kassel. „Man macht sich gar nicht klar, wie umfassend die Bildung von Landgraf Moritz war“, sagt Dr. Axel Halle, Leiter der Kasseler Universitätsbibliothek. Moritz, nicht umsonst „der Gelehrte“ genannt (siehe „Zur Person“), hat auch ein einzigartiges Konvolut von Architekturzeichnungen hinterlassen.

Die über 400 Blätter - Schlösser, Burgen, Herrenhäuser, Gutshöfe, Wirtschaftsgebäude, Bauentwürfe - werden zurzeit wissenschaftlich erschlossen, restauriert, digitalisiert und - wie der Leitende Bibliotheksdirektor sagt - für viele weitere Jahrhunderte gesichert.

Den „letzten Kick“, so Halle, für den Abschluss des Projekts bedeutete eine 2500-Euro-Spende aus dem Gewinnsparverein der Sparda-Bank. Christina Vogt, Leiterin der Filiale Kassel-Harleshausen / Vellmar, gestand, von den Kostbarkeiten der Handschriftensammlung wenig gewusst zu haben, bis der Freundeskreis der Landesbibliothek und Murhardschen Bibliothek sie darauf aufmerksam gemacht habe. „Wir müssen Werbung für die Schätze vor Ort machen“, ist Vogt überzeugt.

Eine Zeichnung von Moritz: Umbauentwurf für das säkularisierte Kloster Burghasungen aus dem Jahr 1631.

„Hilfe ist ganz notwendig, die Spende höchst willkommen“, sagt Halle. Im Bibliotheksetat ist für den Erhalt der Handschriften kein Posten vorgesehen. Dass Moritz’ Handzeichnungen dringend restaurierungsbedürftig waren, erläutert Dr. Ulrike Hanschke, die in einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit viel detektivischem Gespür mit ihrer Aufarbeitung befasst ist. Ungewöhnlich seien sowohl die große Zahl der Zeichnungen als auch die Intensität, mit der sich Moritz den Darstellungen gewidmet habe, sagt Hanschke: „Das ist so von keinem anderen Fürsten überliefert.“

Alle Blätter sollen, umfassend beschriftet und mit einer Zoom-Funktion versehen, demnächst ins Netz gestellt werden. Zuvor werden sie von einem Papierrestaurator gesichtet. Er glättet und stabilisiert die jahrhundertelang gefalteten Blätter, kümmert sich um fehlende und brüchige Stellen, um Stockflecken und Mausfraß. Dann erhalten die Blätter Passepartouts, damit sie nicht mehr angefasst werden müssen.

Moritz hat auch alchemistische Experimente unternommen. Die Uni Kassel verfügt über die größte Sammlung alchemistischer Handschriften in Deutschland. Prof. Dr. Hartmut Broszinski hat sie erschlossen. Sein Katalog wird am Freitag, 1. Juli, 18 Uhr, im Eulensaal präsentiert, und die Schau „Alchemie am Kasseler Hof“ eröffnet.

Von Mark-Christian von Busse

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