Schau „Ecce BLALLA! Abstürze und Höhenflüge“ in Kassel

Museum für Sepulkralkultur zeigt Künstler Blalla W. Hallmann

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Der Tod spielt immer eine Rolle: „Der lichte Tod mit Begräbnis am stillen Ozean“ (1983).

Kassel. „ Blalla W. Hallmann hat die Apokalypse der Gegenwart gemalt und Banalität und Perversion mit dem ihm eigenen, extremen Humor festgehalten“, schrieb die „Tageszeitung“ 1997 in ihrem Nachruf auf den 56-jährig gestorbenen Künstler.

 „Darin besteht das Einmalige dieser künstlerischen Leistung, die über seinen Tod hinaus Bestand haben wird.“ Das Museum für Sepulkralkultur Kassel will dieses Singuläre unter Beweis stellen.

Zu sehen sind in der Schau „Ecce BLALLA! Abstürze und Höhenflüge“, die am Sonntag eröffnet wird, erstmals vollständig 149 Linolschnitte, mit denen Hallmann am Ende seines Lebens 1995 schonungslos zurückblickte und Bilanz zog. Der von ihm selbst kommentierte Zyklus „Curriculum vitae - Der Weg, die Wahrheit und das Leben“ wird ergänzt durch Arbeiten des Künstlers zu einzelnen Lebensabschnitten aus der Sammlung des Kölner Arztes Hartmut Kraft .

„Wir zeigen exemplarisch ein Leben mit allen Facetten der Todeserfahrung“, sagt Museumsleiter Reiner Sörries . Selbsttötungen, Drogenexzesse, Nahtoderfahrungen, psychotische Schübe, Krebserkrankung - „der Tod spielt bei Hallmann immer eine Rolle“, sagt Sörries’ Stellvertreter Gerold Eppler .

Erschreckend und berührend zugleich

Hallmann, der Traditionen des mittelalterlichen Tafelbildes wie der Volkskunst aufnahm, lege drastisch offen, was an Perversionen und Gewalt existiere. Er zerre ans Licht, „wovon wir nichts wissen wollen“. Auch das eigene Innere kehre er rücksichtslos nach außen, was diesen bitter-ironischen Grenzgänger auch verletzlich, zart, anlehnungsbedürftig zeige. „Er hat immer auf Messers Schneide gelebt“, sagt Eppler. Seine beißende, aggressive Beschäftigung mit der Nazi-Zeit und seine Kirchenkritik in pornografischen und blasphemischen Bildern sorgte noch in den 90ern dafür, dass ein Museumsleiter in Regensburg zurücktreten musste. „Bilder an der Schmerzgrenze“, formulierte der Künstler selbst in seinen „kosmischen Eingebungen“.

Hallmann offenbare seine ganze Persönlichkeit, „alles, was ein Leben ausmacht“, so Sörries, Banalitäten wie Extreme. Er versteht die Schau auch als Einladung an Besucher, Rückschau zu halten, ihre Lebensgeschichte zu reflektieren, sich mit eigenen Brüchen der Biografie auseinanderzusetzen.

Eröffnung Sonntag, 15 Uhr, Weinbergstraße 25-27. Bis 21.4., Di-So, 10-17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. Führungen n.V. und Mi 18 Uhr. Katalog (Salon Verlag) 39,90 Euro. Tel. 0561/918930, www.sepulkralmuseum.de

Zur Person

Der Maler und Grafiker Blalla W. (eigentlich: Wolfgang Ewald ) Hallmann, am 23. März 1941 in Quirl in Niederschlesien geboren, absolvierte eine Malerlehre und studierte an den Akademien in Düsseldorf und Nürnberg. Er führte ein unstetes Leben: Zog mit einem Wandertheater über die Lande, aus dem später die Band Ton Steine Scherben hervorging,lebte Ende der 60er-Jahre in den USA, in den 70ern folgten wegen psychischer Krankheit Aufenthalte in Psychiatrien. Zuletzt war er Professor in Braunschweig. Hallmann konnte wegen seiner Krebserkrankung sein Grabmal für die Künstlernekropole in Kassel nicht mehr entwerfen, schuf aber zu Ehren des Initiators Harry Kramer ein Gemälde für den Friedhof im Habichtswald. Er starb am 2. Juli 1997 in Windsbach (Franken).

Von Mark-Christian von Busse

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