Michael Gerisch und die Kantorei Kirchditmold mit dem „Deutschen Requiem“ von Brahms

Kantorei Kirchditmold führte das Deutsche Requiem von Brahms in der Martinskirche auf

Engagiert: Die Sänger der Kantorei Kirchditmold beim Auftritt mit dem Brahms-Requiem in der Martinskirche. Foto: Schoelzchen

KASSEL. „Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar, erschütternd und besänftigend“, schrieb einst Clara Schumann an Johannes Brahms. Noch heute bewegt sein „Deutsches Requiem“. Beim zweiten Satz „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ durfte wohl jedem Zuhörer der sprichwörtliche Schauer über den Rücken laufen.

Das unerbittliche Schicksal der Vergänglichkeit wird dabei durch den Gestus eines Trauermarsches verdeutlicht - im dafür ungewöhnlichen Dreivierteltakt. Leise hebt die Musik an, doch dann baut sich eine gärende Spannung im Orchester auf. Mit voller Wucht setzt der Chor erneut ein, um gleich darauf die Lautstärke zurückzunehmen. Die ungemeine Expressivität dieser Stelle ergriff am Sonntag in der sehr gut gefüllten Martinskirche.

Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch leitete bei den Kasseler Musiktagen eine inspirierte Aufführung des „Deutschen Requiems“, hielt die Musik in stetem Fluss, sorgte für viel Binnenspannung. Mit einer beweglichen Dynamik, auch im leisen Bereich fein gestaltend, sang die Kantorei Kirchditmold. Eine eindrucksvolle Leistung des großen Chores, in dem die Generationen zusammenfinden.

Zu den Qualitäten des unvergänglichen Werks gehört auch das spezifische Orchester-Kolorit. Bei Mitgliedern des Staatsorchesters war es bestens aufgehoben - vom Espressivo der tiefen Streicher übers Aufblühen des Oboenklangs bis zum unheimlichen Pochen der Pauken.

Bei den Solisten gab es ein Wiedersehen mit dem renommierten Bariton Wolfgang Brendel, der im Vorjahr als Hans Sachs bei Wagners „Meistersingern“ ein Publikumsliebling gewesen war und auch diesmal seine markante Riesenstimme hören ließ. Mit sicherer Intonation und weiten Bögen glänzte die aus der Region stammende Sopranistin Katharina Persicke.

Nach dem letzten Satz „Selig sind die Toten“ folgten ein angemessener Moment der Stille und dann langer Beifall. Das Konzert zählte zu den Höhepunkten im Jubiläumsjahr der Kirchditmolder Kantorei, die 2011 ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Von Georg Pepl

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