Schauerlich: Die Performance „Unterwegs mit Untoten“ im Sepulkralmuseum

Lesen und Zithern: (von links) Fabian Eicke (Zither) sowie Marcus Angelbauer und Heiko Schimmelpfeng (Lesung) waren „Unterwegs mit Untoten“. Foto: Schachtschneider

Kassel. Als die steinerne Falltür zufällt, jagt es den Zuhörern einen gehörigen Schauer über den Rücken: Es ist der Moment, in dem der Erzähler in H. P. Lovecrafts Horrorgeschichte „Der Außenseiter“ erkennt, dass es keinen Weg mehr zurück in das dunkle Schattenreich gibt.

Am Freitagabend geriet die Lesung dieser Erzählung im Museum für Sepulkralkultur auch deshalb so überzeugend, weil sie in bester Geräuschemacher-Manier auf der Zither untermalt wurde: Da klirrte und kratzte es, quietschten alte Holztüren und bahnten sich blutrünstige Zombies ihren Weg.

„Unterwegs mit Untoten“ hatten Markus Angebauer, Heiko Schimmelpfeng und der junge Musiker Fabian Eicke ihre von gut 70 begeisterten Zuhörern besuchte Veranstaltung überschrieben: eine Lesung, die jedoch mehr eine Performance war. Literarisch anspruchsvolle Horrorgeschichten standen im Dialog mit Klängen auf dem ungewöhnlichen Saiteninstrument.

Fabian Eicke brachte außer den perkussiven Elementen eine große Musikbandbreite zu Gehör: von den melancholischen „Lachrymae“ des Renaissancekomponisten John Dowland bis zu bizarren, bitteren Dissonanzen in Stücken von Moritz Eggert, Karlheinz Stockhausen und Leopold Hurt. Nicht weniger vielseitig war die Textauswahl, die sowohl Ausschnitte aus Mark Twains „Tom Sawyer“ und Bram Stokers „Dracula“ als auch die von Angebauer apokalyptisch dargestellte Untoten-Story des Amerikaners Max Brooks („Operation Zombie“ von 2006) umfasste.

Der intensive Vortrag der Lesenden überzeugte genauso wie das fantasievolle Ineinandergreifen von Wort und Musik, sodass sich oft der Eindruck eines Live-Hörspiels einstellte. Am Kuriosesten klang das in der abschließenden „Gespenstergeschichte“ von Marie Luise Kaschnitz: Die tänzerisch-leichte Radiomusik, von der im Text die Rede ist, entstieg hier tatsächlich und beinahe magisch der Zither.

Von Felix Werthschulte

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