Schaufenster der Republik: Humboldt-Forum im Berliner Schloss

+
Zunächst mal muss die zwei Fußballfelder große Bodenplatte stehen: Die Bauarbeiten der Schloss-Rekonstruktion Anfang Juni mit Blick auf den Dom. Links die Humboldt-Box.

Berlin. Nun wird gebuddelt. Der Grundstein ist gelegt, es gibt kein Zurück: Das Berliner Schloss-Imitat wird gebaut. 2015 soll bereits Richtfest sein, 2019 Eröffnung. Lange dachte man, es würde vielleicht umgeplant oder doch nichts mit dem Hohenzollernkasten, dem auf drei Seiten Stuckelemente angepasst werden.

Eine moderne Betonfront erwartet den Besucher, wenn er sich vom Alexanderplatz aus nähert. Doch was kommt hinein in die halbherzige Attrappe?

Kulturstaatsminister Bernd Neumann berichtete unlängst, dass 1999 bereits über das Schloss diskutiert wurde und von Hotels, Garagen und sonstigen Mietern die Rede gewesen sei. Jetzt entfallen diese Einnahmen, es soll ein etwas anderes Haus der Kulturen der Welt entstehen. Es wird hohe Betriebskosten verschlingen und einen Intendanten als Kopf für die Veranstaltungen erhalten. Konkrete Vorstellungen existieren über die Platzverteilung. Außer dem Erdgeschoss gibt es drei Etagen.

Eine architektonisch eher abschreckende Eingangshalle nimmt den Besucher in Empfang. Wer sich angesichts des Grusel-Entwurfs in einem Parkhaus wähnt, liegt falsch. Er kann rasch die Flucht ergreifen oder den Veranstaltungsbereich mit Kino, Auditorium und Bühnensaal beehren, oder zu den umlaufenden Galerien der oberen Stockwerke streben.

Im ersten Stock erwarten ihn auf 4000 Quadratmetern der Service-Bereich der Zentral- und Landesbibliothek (deren Stammsitz auf dem Tempelhofer Feld ebenfalls neu errichtet werden soll). Dort kann die umfangreiche Multimedia-Ausstattung genutzt werden. Interessant dürfte der Versuch werden, der Wissenschaft eine Bühne zu geben. Ebenfalls im ersten Obergeschoss ist die 700 Quadratmeter große Ausstellungsfläche der Humboldt-Universität geplant nebst einem eigenen Veranstaltungsraum. Die Uni wird ihr bisher nicht zugängliches Lautarchiv präsentieren, eine Sammlung von Tondokumenten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Ethnologische Museum und das Museum für asiatische Kunst ziehen in den zweiten und dritten Stock. Dort ist für ihre über 500 000 Artefakte umfassende Sammlung weniger Platz als bislang in Dahlem. Knapp 16 000 Quadratmeter Fläche stehen für die Pretiosen aus Asien, Afrika, Amerika und der Südsee zur Verfügung. Projektleiter Martin Heller wünscht sich nicht ihre simple Addition, sondern „alles andere als eine herkömmlich museale Einrichtung.“

Phrasen sind leicht gesagt. Dass eine Schlossattrappe vor allem an die Beutekunst in Form von Trophäen aus der Kolonialzeit erinnert, ist der Knackpunkt. Reaktionäre Architektur signalisiert erst einmal keine Welt-Offenheit. Das Vermächtnis der Brüder Humboldt zu vermitteln, Zugänge zu einem Verständnis der Welt jenseits der Grenzen klassischer Disziplinen zu schaffen und gleichzeitig kritische Fragen zu stellen, wird eine Herausforderung.

Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): Das Humboldt-Forum im Berliner Schloss. Planungen, Prozesse, Perspektiven. Hirmer, 128 S., 19,90 Euro

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.