Schauspieler Christoph Waltz: „Hollywood gibt es gar nicht“

Christoph Waltz

Nach seinem Oscar-Triumph in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ geht es mit der Karriere von Christoph Waltz steil aufwärts.

In seinem ersten Hollywood-Auftritt nach der Auszeichnung spielt der Österreicher in Michel Gondrys Comicfilmsatire „The Green Hornet“ den Bösewicht Chudnofsky, der durch das Auftauchen chaotischer Superhelden um sein Image als Fiesling bangen muss. Demnächst wird der 54-Jährige an der Seite von Reese Witherspoon in „Water for Elephants“ von Francis Lawrence zu sehen sein, in der Neuverfilmung von „Die drei Musketiere“ und in Roman Polanskis „God of Carnage“ neben Jodie Foster und Kate Winslet.

In „The Green Hornet“ werden die Superhelden-Filme gründlich aufs Korn genommen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Comic-Verfilmungen?

Christoph Waltz: Das kann ich gar nicht so allgemeingültig sagen, weil ich mir solche Filme nur selten anschaue. „Iron Man“ habe ich gesehen, und den fand ich grandios. Aber es gibt in dem Genre sicher auch Werke, die stinklangweilig sind. „Transformers“ etwa interessiert mich null. Aber ich bin einfach kein Comic-Mensch. Ich bin nicht mit dieser Kultur aufgewachsen und kann damit heute nicht viel anfangen. Das ist nicht herablassend gemeint. Comics sind einfach nicht Teil meiner Wahrnehmung.

Was hat sich für Sie durch den Oscar persönlich verändert?

Waltz: Helen Mirren hat das wunderbar formuliert: Wenn man für den Oscar nominiert ist und ihn nicht gewinnt, endet die Sache am Sonntagabend. Wenn man den Oscar gewinnt, endet die ganze Sache am Montagmorgen. Genauso ist es, und das ist auch gut so. Ich kann mich doch nicht die nächsten zehn Jahre darauf ausruhen, dass ich im letzten Jahr den Oscar gewonnen habe.

Aber die Rollenangebote werden sich durch die Auszeichnung wohl schon verändert haben.

Waltz: Ja, diesbezüglich verändert sich durch einen Oscar alles grundlegend. Ich kann im Moment in der deutschen oder amerikanischen Filmbranche jeden treffen. Wie lange das anhält, werden wir sehen.

Das heißt, wenn Sie einen Termin bei Steven Spielberg haben wollen, ist das heute für Sie kein Problem?

Waltz: So ist es passiert.

Und welcher Regisseur ist ganz oben auf Ihrer Liste?

Waltz: Polanski. Immer schon.

Und mit dem werden Sie im nächsten Jahr „God of Carnage“ drehen?

Waltz: Richtig.

Ist Schauspielen für Sie ein Traumberuf?

Waltz: Schauspielen ist in erster Linie ein Handwerk. Am Anfang denkt man vielleicht, dass das ein Traumberuf ist, bei dem man Erfolg hat und dann ein gemachter Mann ist. Aber so funktioniert das nicht. Der Erfolg kommt schnell, aber dann kommt die mühsame Zeit zwischen Anfang und Ende. Auch wenn mir mit dem Oscar dieser unwahrscheinliche Glücksfall passiert ist, heißt das nicht, dass das eine folgerichtige Entwicklung ist.

Wie hätte Ihre Zukunft ohne den Oscar ausgesehen?

Waltz: Vor „Inglourious Basterds“ war ich total frustriert. Wie in jedem Beruf fängt man auch als Schauspieler mit Verve an, und dann wird ein Alltag draus, ein Handwerk, mit dem man sein Leben bestreitet. Das muss man mit Würde und Anstand tun, und das wird immer schwieriger, je mehr man die Strukturen in der Branche durchschaut. In einem Beruf dieser Art sind 30 Jahre Erfahrung nichts. Um etwas gescheit zu machen, muss man viel Zeit und Substanz investieren.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem ersten Hollywood-Jahr gemacht?

Waltz: Hollywood als solches gibt es eigentlich gar nicht. Der Begriff wird sehr undifferenziert benutzt. In den 30ern und 40ern hat Hollywood wirklich noch existiert. Da gab es eine Hand voll Studios. Man kannte sich und teilte sich das Geschäft gut auf. Für mich gibt es nach einem Jahr aus der US-Filmbrache nicht viel zu berichten. Alle werkeln vor sich hin, schauen, wie sich die Dinge entwickeln, und sind kräftig am Rödeln. Denn sie wissen, dass Bewegung Ergebnisse bringt. Aber von all den Projekten, die dort umherschweben, wird dann nur ein sehr kleiner Prozentanteil auch verwirklicht.

Zur Person

Christoph Waltz wurde am 4. Oktober 1956 in Wien in eine Theaterfamilie geboren und ließ sich am Max-Reinhardt-Seminar seiner Heimatstadt und am Lee Strasberg Theatre Institute in New York ausbilden. Er spielte Theater in Zürich, Frankfurt, Hamburg, Salzburg und Wien, in TV-Filmen wie dem „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und „Du bist nicht allein - Die Roy Black Story“ sowie in Kinofilmen wie „Herr Lehmann“.

2002 und 2004 erhielt Waltz den Grimme-Preis, ehe ihm im vergangenen Jahr mit dem Oscar für „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino der internationale Durchbruch gelang. Aus seiner ersten Ehe hat der Schauspieler drei Kinder. Mittlerweile lebt er mit seiner neuen Lebensgefährtin und einem gemeinsamen Kind in London. (mal)

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