Interview: Daniel Craig über Westernfilme, Reiten und seine Rolle in "Cowboys & Aliens" 

Klamotten aus Leder statt Smoking und Fliege. James-Bond-Darsteller Daniel Craig musste sich für seinen neuen Film „Cowboys & Aliens“ an ein ungewohntes Kostüm gewöhnen. Im Genremix von Actionregisseur Jon Favreau, der am Donnerstag anläuft, kämpft der britische Schauspieler im Wilden Westen an der Seite von Harrison Ford und Olivia Wilde gegen eine Invasion Außerirdischer.

Cowboys oder Indianer - auf welcher Seite haben Sie als Kind gekämpft?

Daniel Craig: Auf beiden Seiten. Ich bin mit den Spätwestern aus den 70ern aufgewachsen, wo langsam ein politisches Bewusstsein ins Genre eingeflossen ist. „Little Big Man“ war einer meiner Lieblingswestern, einer der ersten Western, in dem „Native Americans“ unter Vertrag genommen wurden, um die Indianer zu spielen. Auch heute finde ich diese Zeitperiode, in der der amerikanische Westen kolonisiert wurde, immer noch sehr faszinierend.

Der Western wurde schon oft für tot erklärt. Warum ist dieses Genre unverwüstlich?

Craig: Western haben sich weltweit in der Psyche der Menschen eingelagert. Das waren die ersten Filme, die überhaupt gedreht wurden, und gleichzeitig waren die Western die Grundlage für das, was wir heute Actionkino nennen. John Wayne war ein Stuntman, bevor er als Schauspieler seine Erfolge feierte. Die ersten Stunts - das waren Männer, die von Pferden fallen. Das haben sich die Leute gern angeschaut. Hinzu kommt die Moral des Westerns, in dem immer wieder neu verhandelt wird, was gut und richtig und was falsch und böse ist, wie man sich selbst in dem Konflikt verortet und welche Koalitionen man dabei eingehen muss.

Und wie oft sind Sie beim Drehen vom Pferd gefallen?

Craig: Gar nicht. Zum Glück. Olivia Wilde ist mal vom Pferd gestürzt. Aber sie ist eine sehr erfahrene Reiterin und weiß, wie man sich abrollt. Wenn es mich aus dem Sattel geworfen hätte, wäre ich wie Stück Holz auf den Boden gefallen.

Hatten Sie vorher keine Reiterfahrungen? Ist das bei so einem Film nicht die wichtigste Einstellungsvoraussetzung?

Craig: Eines können Schauspieler besonders gut. Das ist lügen. Wenn man beim Casting gefragt wird, ob man reiten kann, sagt man einfach: „Ja, klar.“ Ich hatte schon mal auf einem Pferd gesessen, aber dieser Film hat mir die Gelegenheit gegeben, richtig reiten zu lernen. Jeden Tag aufs Pferd steigen zu können - das war einer der Gründe, warum ich mich für diesen Film entschieden habe.

Was macht einen Cowboy aus? Der Gang, der Blick, die Art, wie er die Stirn runzelt, wenn die Sonne ins Gesicht scheint?

Craig: Ein bisschen von allem. Ich habe mir so viele Western wie möglich angeschaut. Außerdem hatten wir am Set Cowboys und Viehtreiber, die sich um unsere Pferde gekümmert haben. Diese Kerle sind wirklich anachronistisch. Sie gehen und reden und spucken in den Sand, so wie es Cowboys schon immer getan haben. Von denen habe ich mir einiges abgeschaut.

Hätten Sie als Cowboy in dieser Zeit überleben können?

Craig: Keinesfalls. Allein das Essen. Wenn man jeden Tag nur die Wahl zwischen Fleisch, Fleisch und Fleisch hat, das würde ich nicht aushalten. Ich bin ein Mensch des 20. Jahrhunderts und kann nur versuchen, als Schauspieler die damalige Lebensweise möglichst glaubwürdig rüberzubringen.

Das ist eine sehr schweigsame Rolle. Ist es Ihnen schwergefallen, die Figur mit so wenig Text zum Leben zu erwecken?

Craig: Gerade das hat mich besonders gereizt. Westernhelden reden nun einmal nicht viel. Sie schießen zuerst und stellen danach die Fragen.

Apropos Schweigsamkeit: Sie sind einer der wenigen Stars, die ihr Privatleben erfolgreich von der Öffentlichkeit abschirmen. Wie schaffen Sie das?

Craig: Ich antworte nicht auf private Fragen. Ich weiß, dass es zu meinem Job gehört, solche Fragen gestellt zu bekommen. Ich will mich auch nicht beschweren. Es gibt genug Dinge in meinem Beruf, die dieses Manko aufwiegen. Aber wenn mir Journalisten zu sehr auf die Pelle rücken, geht mir das wirklich auf die Nerven.

Durch die Wirtschaftskrise wurde der neue Bond-Film jahrelang auf Eis gelegt. Wie fühlt man sich als arbeitsloser 007?

Craig: Mir war klar, dass ich auf die Finanzkrise bei der Produktionsfirma MGM keinerlei Einfluss nehmen konnte. So habe ich einfach weitergemacht. Ich hatte großes Glück mit „Cowboy & Aliens“ und „Verblendung“, den ich gerade mit David Fincher gedreht habe. Solche Filme will ich auch weiterhin machen. Wer weiß, vielleicht ist meine Karriere in ein paar Jahren zu Ende. Solange nehme ich alles, was mir Spaß macht.

Mittlerweile ist die Finanzierung von „Bond 23“ gesichert.

Craig: Ja und jetzt bin ich auch froh, dass es wieder weiter geht. Das Drehbuch ist gut, Sam Mendes führt Regie - ich freue mich schon drauf.

Von Martin Schwickert

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