Schauspielschule Kassel brachte Arthur Millers „Hexenjagd“ auf die Bühne

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Düstere Grundstimmung: Hinten von links - Katharina Fromm als Tituba, Max Heinemann als Giles Corey, Casper Bähr als Pastor John Hale, Jacob Blum als Pastor Samuel Parris, Marie-Sophie Renner als Anne Putnam und Richterin Denforth, Selina Brand als Mary Warren, Alischa Brocke als Betty Parris, Lisa Schreiber als Mercy Lewis, Christopher Seban als Mr. Putnam und Ezekiel Chiver, vorne von links: Eva Sophie Blum als Abigail Williams, Ole Pampuch als John Proctor, Janine Bossecker als Elisabeth Proctor.

Kassel. Als Abschlussproduktion zeigen Schauspielschüler mit beeindruckendem Engagement Arthur Millers modernen Theaterklassiker "Hexenjagd". 

Ein Stück über die schockierenden Auswüchse von Angst und Anklage haben sich die Schauspielschüler des 6. Semesters der Schauspielschule Kassel als Abschlussinszenierung ausgesucht: Arthur Millers Drama „Hexenjagd“. Die Besucher am Freitag im ausverkauften Dock 4 waren von der Inszenierung (Regie: Rafael Meltzer) und ganz besonders von dem leidenschaftlich spielenden Ensemble restlos begeistert.

Millers Tragödie basiert auf realen Ereignissen im kleinen Ort Salem bei Boston, Ende des 17. Jahrhunderts. Das Stück war sein Kommentar zur Kommunistenjagd in den USA in der McCarthy-Ära. 1953 wurde „Hexenjagd“ uraufgeführt. Der Stoff ist zeitlos. Verleumdung, Rachegefühle und religiöser Wahn breiten sich in Salem aus wie die Pest. Hexerei und ein Pakt mit dem Teufel wird den Denunzierten vorgeworfen.

Dabei hatte alles recht harmlos begonnen. Nachdem Gemeindepastor Parris die junge Abigail und ihre Freundinnen nachts beim Nackttanz im Wald beobachtet, stellt er sie zur Rede. Aus Angst, hart bestraft zu werden, täuschen die jungen Frauen Anfälle und Krankheiten vor. Parris drängt die Frauen, ihre Verbindung zu teuflischen Mächten zu gestehen. Der Teufelsexperte John Hale wird geholt. Er soll klären, ob die jungen Frauen lügen oder tatsächlich besessen sind. Um von sich abzulenken, beschuldigen Abigail und ihre Freundinnen andere Frauen der Gemeinde der Hexerei. Wortführerin ist Abigail, die mit dem Bauern John Proctor ein Verhältnis hatte und davon träumt, an die Stelle von dessen Frau Elizabeth zu treten, indem sie sie ebenfalls der Hexerei bezichtigt.

Wie viele andere Frauen wird auch Elizabeth inhaftiert, später sogar John. Die Justiz wird zum Erfüllungsgehilfen. Etliche Unschuldige landen am Galgen, auch John und seine streng gläubige Frau. Fazit: eine spannende, eine berührende Inszenierung, in dem als Bühnenbild Würfelelemente ausreichten, die mal als Sitzgelegenheiten, mal als turmhoher Richtertisch fungierten.

Den jungen, mitreißenden Darstellern gelang es, die Verstrickung aus Moral, Angst, Machtmissbrauch und Gewalt sensibel aufzuzeigen. Riesenapplaus.

Es spielten: Jakob Blum, Alischa Brocke, Katharina Fromm, Eva Sophie Blum, Marie-Sophie Renner, Christopher Seban, Ole Pampuch, Janine Bossecker, Caspar Bähr, Max Heinemann, Selina Brand, Lisa Schreiber, Christoph Seban.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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