Ausstellung im Augustinum mit Fotos von Oldtimern

Wo der Schein trügt

Mit einem Blick für Situationskomik: Eine der Aufnahmen von Petra Pierrette Berger, bei denen sie den richtigen Moment erwischt hat. Foto: Polk

Kassel. Das Ersatzrad auf dem Heck des Oldtimers ist nur unwesentlich größer als der Hut, den die Dame auf dem Sitz davor aufgesetzt hat. Die Szene erinnert an einen Schnappschuss aus den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das gilt für fast alle 35 Schwarz-Weiß-Fotografien von Petra Pierrette Berger, die zurzeit im Augustinum Kassel zu sehen sind.

Die 1965 geborene Künstlerin stammt aus Bad Neustadt an der Saale. Sie studierte in Kassel Visuelle Kommunikation und Französisch. In der Ausstellung präsentiert sie Arbeiten, die ihre Leidenschaft für Oldtimer und besondere Gefährte sowie deren Liebhaber dokumentieren. Die Fotos rufen Assoziationen an Zeiten hervor, als die Damen sich für eine Ausfahrt im eleganten Automobil ebenso kleideten, mit eleganten Roben und eindrucksvollen Hüten.

Doch der Schein trügt: Keines der Fotos ist älter als 27 Jahre. Mal ist es das Fahrzeug selbst, das alle Aufmerksamkeit fordert, mal das Geschehen am Rande, welches die Fotografin mit einem sicheren Blick für Situationskomik eingefangen hat. Ihr Stil hat etwas von der Leichtigkeit des französischen Fotografen Robert Doisneau, vielleicht, weil Petra Pierrette Berger 20 Jahre lang in Paris lebte und dort als Dozentin für Freie Fotografie arbeitete.

„In Paris zu leben, hat mein fotografisches Auge beeinflusst“, sagt sie in einem Vorwort zur Ausstellung. Manche Fotos erinnern mit ihrem subtilen Humor, dem durchkomponierten Bildaufbau und dem Bildausschnitt an den großen Magnum-Fotografen Henri Cartier-Bresson. Die meisten der Fotos sind bei Oldtimerrennen in Frankreich entstanden, die Fotokünstlerin reiste zu Veranstaltungen nach Italien, England, Deutschland und in die Schweiz.

Ihre Bilder sind wohlüberlegte Schnappschüsse. Wenn sie eine interessante Szene entdeckt und einen geeigneten Standort gefunden hat, folgt „das Warten auf einen bestimmten, magischen Moment, in dem alle Bildelemente sich im Sucher meiner Kamera am richtigen Platz befinden“, sagt sie. Vielleicht deshalb erzählen die Bilder faszinierende Geschichten von Autos und Menschen, immer wieder aufs Neue.

Augustinum, Im Druseltal 12, bis Freitag, 3. August.

Von Ilona Polk

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