Scheinheilige Liebesmühen

Schauspielschule Kassel spielt Turrinis "Wirtin" im Dock 4 

Umgarnt: Corinna Kellner als Mirandolina kann sich vor Verehrern nicht retten, darunter sind auch die "Adligen" Odilie Kennerknecht und Rene Wallburg. Foto:  Herzog

Kassel. Einen grellbunten Jahrmarkt der Triebe und Intrigen zeichnete der Komödiendichter Carlo Goldoni (1707-1793) mit seinem Stück „Mirandolina“. Unter dem Titel „Die Wirtin“, einer Fassung des österreichischen Schriftstellers Peter Turrini, führten  Schauspielschüler aus Kassel am Freitag den turbulenten Liebesreigen im Dock 4 auf.

Die Handlung lässt sich kurz skizzieren:  Die Wirtin Mirandolina (Corinna Kellner – schlau, anmutig, schlagfertig) ist heiß begehrt. Doch nicht nur ihren weiblichen Reizen ist das geschuldet, sondern auch ihrem Gasthaus. Einige recht groteske Gestalten beherbergt sie unter ihrem Dach. Zwei aristokratische Verehrer, ein verarmter Marchese (Rene Wallburg, köstlich überdreht) und ein neureicher Graf (Lob für Odilie Kennerknecht - als bärtig- zynisches Mannsbild) buhlen zum Leidwesen des Kellners Fabrizio (auch Leoni Bäcker überzeugte in einer Männerrolle) hartnäckig um ihre Gunst. Nicht so der wohlhabende Cavaliere von Rippafratta (Nima Conradt – starke Komikerleistung, bisweilen jedoch zu viel des Guten), denn der ist ein glühender Frauenhasser.

Eine Tatsache, die die selbstbewusste Wirtin reizt. Mit allen Mitteln weiblicher Raffinesse spielt sie mit ihm und macht ihn in sich verliebt. Kellner Fabrizio sieht das gar nicht gern und heuert zwei Edeldirnen an: Stefanie Früchtenicht und Jana Gnauert, gut aufgelegt als geldgierige Möchtegern-Damen.

Fazit: Mit ansteckender Spielfreude sorgte die junge Darstellerriege für einen bunten, lauten und lebendigen Theaterspaß. Zu raten wäre, ab und zu mal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und so mit der Spannung etwas hauszuhalten. Ansonsten gab es (Regie: Viktor Dell/Martin Ruegg) nichts zu mäkeln, dafür aber viel zu lachen. Lang anhaltender Applaus für diesen Sommernachts-Spaß.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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