Turbulenter Bühnenspaß: Schauspielschüler führen Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ im Dock 4 auf

Scheinschwanger mit Kaninchen

Überdrehte Posse: Müge Yavas (links) und Ira Maier in der Inszenierung von „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo. Foto: Koch

Kassel. Dario Fos Farce „Bezahlt wird nicht“ ist ein ebenso quirliges wie vitales Beispiel dafür, wie viel Unterhaltungswert politisch bedingte Missstände haben können, betrachtet man sie unter dem Brennglas satirisch gefärbten Humors.

Studenten der Schauspielschule Kassel feierten am Donnerstagabend mit diesem Stück, einer turbulenten Mischung aus Posse, Polit-Klamauk und Boulevard-Komödie, im ausverkauften Dock 4 eine gelungene Premiere.

Zur Handlung: Das Leben in einem italienischen Wohnviertel in den 70er-Jahren ist hart. Kein Geld für die Miete, kein Geld für den Strom und dann auch noch die Lebensmittelpreise in unerschwinglicher Höhe? Da hilft nur ziviler Ungehorsam oder „Selbstregulierung“, wie es Antonia (Müge Yavas als total überdrehte Ulknudel) und Margherita (überzeugend: Ira Maier) nennen. Die Frauen im Wohnviertel blasen zum Angriff auf den nächsten Supermarkt und bedienen sich dort zum Nulltarif. Dass bei diesem Coup in der Eile des Gefechts auch Hundefutter und eingefrorene Kaninchenköpfe mitgehen, treibt ihren Ehemännern Giovanni und Luigi (Johann Nickel und Till-Ulrich Herber mit gekonnten Überzeichnungen) zwar den Ekel ins Gesicht, doch eine Ahnung, wie ihre Frauen eingekauft haben, haben sie nicht.

Damit es dabei bleibt, verstecken die Frauen sämtliche Esswaren in der Wohnung oder in Bauchnabelhöhe und verkaufen die Rundungen als Schwangerschaft. Als die Polizei zur Hausdurchsuchung schreitet (Lob für die vielseitige Silke Senning, die gleich in insgesamt vier Rollen glänzte), nimmt das Geschehen ganz grotesk amüsante Formen an.

Fazit: Gut gebrüllt, Löwe, möchte man den Darstellern nach der Inszenierung vonViktor Dell zurufen. Wenngleich bisweilen ein wenig zu laut und zu klamaukhaft agiert wurde und so als Fußnote „weniger ist mehr“ angebracht erscheint, gab es vom begeisterten Publikum zurecht reichlich Beifall für diesen Bühnenspaß.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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