„Er scheitert, weil er ein Großmaul ist“: Marcus Rudolph über „Ekel Alfred“

Das Original und die Hommage: Heinz Schubert (links) und Marcus Rudolph als Ekel Alfred. Fotos: nh

Kassel. Ekel Alfred ist eine der größten Figuren der deutschen TV-Geschichte. In einer Zuschauer-Umfrage der Zeitschrift „Hörzu“ kam Wolfgang Menges Serie „Ein Herz und eine Seele“ hinter „Wer wird Millionär?“, „Tatort“, „Wetten, dass ..?“ und der „Sendung mit der Maus“ auf den fünften Platz.

39 Jahre nach der Fernsehpremiere bringt Regisseur Kay Kruppa die Geschichte auf die Bühne der Kasseler Komödie. Wir sprachen mit Marcus Rudolph (45), der Ekel Alfred spielt - jenen wertkonservativen Spießbürger, der seinen Schwiegersohn einen „anarchistischen Drecksack“ nennt und Kanzler Willy Brandt einen „Schwerverbrecher“.

Gegen solch ein legendäres Fernsehformat kann die Bühnenfassung nur schwer gewinnen, oder?

Marcus Rudolph: Sie will auch gar nicht gewinnen. Es ist eine Verbeugung vor der Serie. Wir wollen die gute alte Zeit noch mal aufleben lassen. Deswegen haben wir die Geschichten auch nicht in die Jetzt-Zeit verlegt. Es wäre Quatsch, wenn Ekel Alfred jetzt über Frau Merkel herziehen würde. Nein, natürlich redet er über Willy Brandt. Man sollte also etwas sattelfest sein in jüngerer deutscher Geschichte.

Was macht Alfred Tetzlaff, den Menge als kleinen Hitler bezeichnet hat, trotzdem sympathisch?

Rudolph: Er ist wertkonservativ, wie das damals weit verbreitet war, er ist ausländerfeindlich und hat seine eigene Sicht auf die Welt. Aber er ist kein Nazi. Ich erkenne da meinen Vater wieder, was erschreckend ist. Sympathisch an dieser Figur ist sein Scheitern. Er kann ständig die ganze Welt erklären, obwohl er von nichts eine Ahnung hat. Er scheitert an den letzten Kleinigkeiten, weil er ein Großmaul ist.

Die Zuschauer haben Heinz Schubert im Kopf, wenn Sie an Ekel Alfred denken. Wie kriegt man das als Schauspieler aus den Köpfen?

Rudolph: Den kann man nicht aus den Köpfen kriegen. Alles andere wäre eine Denkmalschändung. Die beiden Folgen, die wir eins zu eins nachspielen, habe ich mindestens 100-mal gesehen. Nur so konnte ich Schuberts eigenartige Bewegungen lernen. Noch nie habe ich für eine Rolle so hart gearbeitet.

Wie aktuell ist „Ein Herz und eine Seele“?

Rudolph: Aktuell ist seine Sicht auf Politiker, die ja noch respektloser geworden ist.

Heute gibt es als TV-Fiesling nur „Stromberg“. Bräuchten wir nicht wieder eine politische Figur wie Ekel Alfred?

Rudolph: Ich fände es gut, wenn es so einen wie Alfred Tetzlaff wieder gäbe, aber ich glaube, er hätte keine Zuschauer. Wir haben eine unpolitische Gesellschaft. Nur wenn es etwas operettenhaft wird wie jetzt bei Wulff, dann drehen die Leute durch.

Generalprobe (Mittwoch) und Premiere (Donnerstag) ausverkauft. Bis Ende April in der Komödie. Karten: 0561/203-204.

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