Heike Wrede stellte im Dock 4 ihr Kindertanztheaterstück „Sophies Schattenreise“ vor

Scherenschnitte einer Tänzerin

Wenn der Schatten tanzt: Heike Wrede. Foto: Malmus

Kassel. Felix ist der achtjährige Sohn von Heike. Er weiß, wie alles ausgeht. Er weiß, dass im Kampf mit dem bösen Hai das Mädchen doch überlebt. Keine Sorge, aufgeregt flüstert er im Dunkeln zu seinem Freund rüber, und zum Schluss sind sie erleichtert.

Das kleine Mädchen mit dem weiten Rock hat alle Abenteuer überstanden, ihr Schatten ist wieder da, und die Mutter ruft: Abendessen ist fertig.

Mit „Sophies Schattenreise“, einem Tanztheaterstück voller Licht und Schatten, hat die Kasseler Tänzerin Heike Wrede ihr zweites Programm für Kinder ab fünf Jahre vorgestellt. Am Freitag im Dock 4 verfolgten die Jungen und Mädchen mit ihren Eltern die Erlebnisse der kleinen Sophie, der, wie einst Peter Pan, ihr Schatten verloren gegangen war. Aus dem einsamen Tanz der gelangweilten Sophie entwickelt Heike Wrede mit fein gezeichneten Bewegungen und kindgemäßer Pantomime eine Erlebnisreise ins Schattenland. Dabei werden in dem Video von Daniel Stieglitz die Umrisse der Tänzerin wie ein Scherenschnitt auf die Leinwand geworfen. Wrede hinter dem Vorhang, von dem rückwärtigen Spotlicht scharf konturiert, schaukelt im weit gespannten Rock wie in einem Boot über die See, wird von langen Rüsselschweinungeheuern mit dunklem Tintenatem gejagt und vom monströsen Fischrachen verschluckt. Zum Schluss sammelt Sophie die glitzernden Sterne in ihrem Rock und schwebt wie ein Luftballon gen Himmel.

Wie Wrede im Wechsel zwischen Schattenspiel und Körperbild mit den Stimmungen spielt, mal sanfte Poesie, mal Widerstandslust und freche Neugierde mit einfachen Bewegungen ihres Körpers malt, entwickelt einen Sog, der nicht nur Kinder fasziniert. Für vierzig Minuten ist man mit auf einer poetischen Traumreise. Applaus für Heike Wrede.

Von Juliane Sattler

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