Neu im Kino: Oliver Hirschbiegel erzählt in „Diana“ von den letzten Lebensjahren

Die scheue Liebende

Ein Moment der Zweisamkeit: Diana (Naomi Watts) und Hasnat Khan (Naveen Andrews) lieben sich heimlich. Foto: Concorde

Muschelnudeln mit Paprikasoße kocht sie beim ersten Rendezvous für ihren Angebeteten, und zu erleben, wie viel Respekt die hausfraulich ungeübte Prinzessin in der Palastküche vor dem Nudelwasser hat, ist herzallerliebst.

Oliver Hirschbiegel gelingen in seinem royalen Drama „Diana“ über die letzte (und womöglich einzige) Liebe von Prinzessin Diana genau in diesem Charakterporträt die stärksten Momente. Beeindruckend ist der Blick in die luxuriöse Palastwelt und auf die Einsamkeit der von ihrem Gatten Charles getrennt lebenden und später geschiedenen Lady Di. Wie sie vor dem Schminkspiegel ihr Fernsehinterview übt, verzweifelt Klavier spielt, um sich abzureagieren, sich in Jogginghosen vor dem Fernseher räkelt - und ihrem Geliebten einen Hamburger vom Schnellimbiss liefern lässt, als die Muschelnudeln nicht so recht Anklang finden.

„Diana“ konzentriert sich auf die letzten Lebensjahre vor dem tödlichen Unfall Dianas und auf ihre Liebesbeziehung zu dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan (Naveen Andrews), die absehbar scheitern muss, weil Khans Bedürfnis nach einem Leben außerhalb der Öffentlichkeit mit den Verpflichtungen der zu ihrer Zeit berühmtesten Frau der Welt schlicht nicht vereinbar sind.

Hier schwächelt der Film, weil dieser Konflikt nicht differenziert entwickelt wird. Es gibt romantische Auszeiten und den Kitzel der Heimlichkeit, aber letztlich hat der charmante Naveen Andrews als Hasnat Khan lediglich immer aufs Neue zu sagen, dass er seinen Beruf weiter ausüben will und nicht bereit ist für ein Leben im Blitzlichtgewitter. Es bleibt also bei viel Hin und Her der Liebenden: Schlussmachen und sich wieder in die Arme sinken wechseln sich ab.

Zudem ist filmisch eben nicht übertünchbar, dass Hirschbiegel sich in diesem Part seiner Geschichte sehr weit in den Bereich der Fiktion – um nicht zu sagen: des Märchens – hineinbewegen muss, weil einfach keine Informationen vorliegen, wie es zwischen den beiden war.

Dodi al Fayed kommt übrigens nur am Rande vor: Die Beziehung zu ihm wird als Schachzug Dianas dargestellt, um der Welt wieder glamouröse Bilder zu liefern.

Toll ist der Film also als Porträt der jungen Prinzessin, in die Naomi Watts sich umwerfend verwandelt: Das Mädchenhafte, das Scheue, der leicht geneigte Kopf und diese überströmende Menschlichkeit: So haben Millionen Menschen ihre Königin der Herzen in Erinnerung.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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