In der Komödie feierte „Ekel Alfred“ Premiere

Kassel. Alfred Tetzlaff schimpft und säuft. Er beleidigt seine Frau, seinen Schwiegersohn und die SPD. Marcus Rudolph stellt den als Ekel Alfred bekannt gewordenen Ehemann aus der Siebzigerjahre-Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ im neuen Stück der Komödie dar.

Am Donnerstagabend feierte dort „Ekel Alfred - Ein Herz und eine Seele“ Premiere.

Rudolph spielt Ekel Alfred schwitzend und mit hochrotem Kopf. Und natürlich mit Seitenscheitel und Schnauzbart, in Unterhemd und Hosenträgern. Auf der Bühne sind er und seine Familie fast noch schlimmer als das Original um den legendären Schauspieler Heinz Schubert.

Alfred Tetzlaff ist die Personifikation des hässlichen Deutschen. Über ihn lacht das Publikum am meisten. Zum Beispiel wenn er seinen Schwiegersohn und SPD-Wähler Michael als „langhaarige bolschewistische Hyäne“ beschimpft oder wenn er die Fenster wie für einen Bombenangriff verrammelt, weil er Angst hat, dass zur Silberhochzeit Überraschungsgäste vorbeikommen könnten.

Martina Rüggebrecht als Else Tetzlaff bleibt neben Marcus Rudolph aber keineswegs farblos. Die nach 25 Ehejahren mit einem diktatorischen Scheusal etwas labil wirkende Ehefrau ist völlig aus dem Häuschen, als sie feststellt, dass am Tag ihrer Silberhochzeit der Frühstückstisch im Wohnzimmer gedeckt ist. Sie weint vor Freude, als sie auch noch eine Brosche und Blumen geschenkt bekommt. Und sie ist total verunsichert, als sie erfährt, dass Tochter und Schwiegersohn sie und Alfred ins vornehme, französische Restaurant „Royal“ ausführen wollen. „Was soll ich denn da anziehen?“, kreischt die Kittelschürzenträgerin, die von ihrem Mann bisher nur ein Hochzeitskleid geschenkt bekam - das sie noch einmal zur Hochzeit ihrer Tochter tragen musste.

Das Zusammensein mit Alfred und Else in ihrer miefigen Spießbürgerwohnung und im Restaurant ertragen Tochter Rita (Petra Stockinger) und Schwiegersohn Michael (Marco Linke) mit beeindruckendem Gleichmut. Die Sympathieträger verkörpern die liberale 68er-Generation.

Die Bühnenfassung unter der Regie von Kay Kruppa hält sich streng an die Drehbücher der Folgen „Silberhochzeit“ und „Silvesterpunsch“. „Und dis kann ich dir sagen“: Sogar der Bochumer Dialekt wird imitiert. Henjo Olejnik entwarf das Bühnenbild aus Originalmöbeln, das gemeinsam mit der Siebzigerjahre-Kleidung der Schauspieler eine dichte Atmosphäre schafft.

Das Publikum spendete viel Applaus und rief mehrmals nach Alfred, dem beliebtesten Scheusal unter allen deutschen Ehemännern.

Komödie, Friedrich-Ebert-Str. 39, Februar bis April, mittwochs bis sonntags. Karten unter 0561/18383.

Von Valerie Schmidt

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