Es schigged noch nicht: Dark Vatter im Theaterstübchen

Eine Mischung aus dem frühen Johnny Cash sowie Ephesus und Kupille: Timo Israng alias Dark Vatter im Theaterstübchen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Der Mundart-Rock-'n'-Roll von Dark Vatter ist Kult. Das bewies der Kasseler Timo Israng mit seiner Band im Theaterstübchen.

Selbst die Texte seiner neuen CD konnten die Fans schon mitsingen.

Dass Kasseler Musiker ein bisschen annersder sind, war am Sonntag im Backstage-Raum des Theaterstübchens sogar zu riechen. Dark Vatter un sinne Combo spielten im rappelvollen Club. Wahrscheinlich hätte das Quintett selbst das Auestadion voll bekommen. Aber der Mundart-Rock-’n’-Roller braucht kein teures Catering und auch keinen Schampus. Auf dem Tisch stand eine Wurstplatte mit Kasseler Spezialitäten.

Das ist genau das richtige Essen für jemanden, der sogar eine Hymne auf das Weckewerk im Programm hat. Auch diesen Text auf Kasselänerisch können die Fans mitsingen wie fast alle Zeilen in den vergnüglichen zwei Stunden. Timo Israng, wie Dark Vatter wirklich heißt, freut sich, dass so viele gekommen sind, um „sich de Knödel runnerzudanzen“.

Lesen Sie auch die Kritik des Albums "Hunnerdprozenndich"

Drei Jahre nach seinem ersten Album ist Vatter Kult. Mit seinem Mundart-Rockabilly hat der 39-Jährige einen Nerv getroffen, wie ein Blick ins Publikum zeigt: Die Älteren erinnern sich an früher, die Jüngeren entdecken das Kasseläner Platt wieder, für das man sich wirklich nicht schämen muss.

Im Theaterstübchen stellen Sänger und Gitarrist Israng, Bassist Oliver Schenk (Kusseng Olli), Gitarrist Julian Schambach (Kusseng Judy), Schlagzeuger Timo Färber (Kusseng T.) sowie Sängerin Nina Israng (Nina Soleil) ihr drittes Album „Hunnerdprozenndich“ vor.

Mit seiner Tolle und seinem schmalen Schnäuzer sieht Israng aus, als sei er direkt aus Nashville an der Fulle gestrandet. Und so klingt die Mischung aus Rock ’n’ Roll, Country-Melodien sowie etwas Wüstensound auch. Hin und wieder gibt es einen Blues oder einen Up-tempo-Song wie die wunderbare Cover-Version von Miss Lis „Oh Boy“. Einmal wird sogar gejodelt.

Vorsätze für wann annersder 

Dark Vatters Soli zeigen, dass er ein sehr guter Gitarrist ist. Noch besser ist sein Wortwitz. In seinen Geschichten erzählt er vom Hessencourrier und von der Lieblingsphilosophie des Kasseläners, die da heißt: „Es wird sich uswiesen.“

Mitten in „De Wiesen der Realität“, einer lustigen Abrechnung mit Smartphones, gibt es Szenenapplaus nach der Zeile: „Wo mer online bestellt, statt innen Laden zu gähn / da missd dä joh nidd mehr vom Schesselong uffstähn.“

Auch seine Kritik an dem Neujahrsquatsch mit den guten Vorsätzen kommt gut an: Ob „de Hegge schduddsen“ oder „de Drebbe buddsen“, Dark Vatter singt: „Ich marres alles gans beschdimmd - wann annersder.“ Wir haben trotzdem schon einen Vorsatz: Nächstes Jahr, am 28. Dezember, wenn der Vatter wieder im Theaterstübchen spielt, kommen wir garantiert wieder.

Die CD „Hunnerdbrozenndich“ gibt es über Dark Vatters Facebook-Seite, in den Plattenläden Scheibenbeisser und Lost & Found, in der Buchhandlung am Bebelplatz sowie im Lädchen der Grimm-Heimat Nordhessen in der Treppenstraße.

Von Matthias Lohr

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