Die Schildkröte des Pop: Robert Stadlobers Band Gary im Schlachthof

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Lässiger Sänger und Schauspieler: Robert Stadlober im Schlachthof.

Kassel. Dienstag war kein guter Tag für Robert Stadlober. Der Schauspieler, Sänger und Gitarrist war mit den Musikerkollegen seiner Band Gary auf dem Weg von Jena zum Konzert nach Kassel. Als sie irgendwann Hunger bekamen, standen sie an allen Gasthöfen an der B7 vor verschlossenen Türen.

Dann wollten sie eine Runde Minigolf spielen, aber auf dem gesamten Platz feierte ein rüstiger Rentner seinen 80. Geburtstag. Und am Abend trat die Band dann vor nur 30 Fans im Schlachthof auf. Gegen das gleichzeitig stattfindende Champions-League-Halbfinale zwischen Bayern München und Real Madrid hatten Gary und Tobias Siebert (Klez.e) als Ein-Mann-Vorgruppe And The Golden Choir keine Chance. Wahrscheinlich hätte nicht einmal ein gemeinsamer Auftritt von Madonna und dem Papst mehr Besucher in das Kulturzentrum gelockt.

Für Veranstalter ist König Fußball ein übermächtiger Gegner. Stadlober hatte trotzdem seine Freude. Für den Kinostar („Sonnenallee“, „Crazy“, „Krabat“) ist die Musik „nur ein zeit- und geldintensives Hobby“, wie er unserer Zeitung im Interview sagte.

Der 29-Jährige zieht die unglamouröse Szene des Indie-Rock der glitzernden Kino-Welt vor und macht mit Astrid Noventa (Gitarre, Keyboard) und Rasmus Engler (Schlagzeug) lieber melodiösen Gitarrenpop.

Stadlober schrammelt lässig auf der Gitarre und singt schräg kleine Hymnen, die an seine Vorbilder wie Teenage Fanclub sowie die Lemonheads erinnern und die man nicht schlecht finden kann. „Mazunte“ vom neuen Album „Hey Turtle, Stop Running!“ kündigt er als „Lied gegen den Fleißzwang“ an: „Es lebe die Schildkröte.“

Mit seinen zerrissenen Jeans und ungewaschenen Haaren ist Stadlober so etwas wie die sympathische Oberschildkröte des hektischen Unterhaltungsbetriebs. Fleißig festigt er sein Image als Rebell, dem sogar Fußball egal ist. Schlagzeuger Engler strahlt jedoch, als ein Zuschauer mitteilt, dass Bayern 2:1 gewonnen hat. Für ihn war es doch noch ein guter Tag.

Von Matthias Lohr

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