Andrea C. Ortolano und Gerd Hallaschka mit ihrem Programm über den Dichter im Theaterstübchen

Schiller war auch nur ein Ehemann

Schiller war eine Memme: Zumindest berichtete das Andrea C. Ortolano als seine Ehefrau Charlotte. Im Hintergrund Gerd Hallaschka (Musik). Foto:  Schoelzchen

Kassel. Kennen Sie Friedrich Schiller? Natürlich. Aber was wissen Sie über seine Ehefrau Charlotte? Wenig? Nach dem Bühnenspaß von Andrea C. Ortolano und Gerd Hallaschka sicher einiges mehr.

„Flotte Lotte – schriller Schiller“ heißt ihr Programm. Die 1790 geschlossene Ehe Friedrich Schillers mit Charlotte von Lengefeld steht im Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein herrlich quirliger Bühnenreigen mit Musik von Udo Jürgens bis Simon & Garfunkel und Erzählcharme aus Sicht der geplagten Ehefrau. Bis auf den letzten Platz war das Theaterstübchen am Donnerstagabend gefüllt, um die Lichtgestalt Schiller mal aus der Perspektive von Ehefrau Lotte zu erleben - und die hatte einiges aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Zum Beispiel, dass der Literatur-Superstar eine wahre Memme war, weil er Angst vor Spinnen hatte, und über den Dichterfürsten Goethe, der in Schillers Leben ebenfalls eine wichtige Rolle spielte, dass „über den alle reden, weil er ein Verhältnis mit der drallen Seidenblumennäherin hat“. Andrea C. Ortolano gab der „Lotte von Weimar“ herrlich komödiantische Konturen und sorgte mit viel spontanem Humor für beste Unterhaltung: „Muss das schön sein, so geliebt zu werden. Noch schöner, wenn das Mikro dabei an wäre.“ Die Texte, die sich auf ausgiebige Recherche stützen, stammen von ihr, die Musikauswahl, die Gerd Hallaschka auf dem E-Piano einstreute, ebenfalls. Von „Trink Brüderlein trink“ bis zum Udo-Jürgens-Klassiker „17 Jahr’ - blondes Haar“ reichte die Palette.

Eigentlich liebte Schiller Lotte und ihre Schwester Caroline gleichermaßen. Und so ist es nur schlüssig, dass Hallaschka und Ortolano auch Caroline mit auf die Bühne brachten – als Ankleidepuppe. Der fehlte der Kopf, aber als imaginäre Dialogpartnerin war sie genauso präsent wie Goethe als lebensgroße Handpuppe, die Andrea Ortolano über einen Griff in den Nacken spazieren führte. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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