Schlager- und Schlägermusik: Rapper SSIO im Kasseler Club „130bpm“

Ob das wirklich nur Multivitaminsaft ist? Wahrscheinlich. Rapper SSIO beim Auftritt im 130bpm in Kassel. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ganz am Ende der 90-minütigen Show gab es dann noch eine Rüge von Rapper SSIO (27) für seinen Schlagzeuger Steddy. Nicht etwa wegen dessen Leistung (die war ausgezeichnet), sondern weil dieser vor Kurzem geheiratet hatte. Ein Bund fürs Leben, das geht in den Augen des ewigen Junggesellen SSIO gar nicht.

Dem ist Humor nämlich mindestens genauso wichtig wie seine Musik, die Einordnung überlässt er jedem selbst. Den Beginn seines Auftritts im Kasseler „130bpm“ leitete der Bonner gleich mal mit „Halb Mensch, halb Nase“ ein, in dem er seinen großen Zinken besingt. Wenig später entledigte er sich der unumgänglichen Bauchtasche, wichtiger Bestandteil im Erscheinungsbild eines Dealers, dessen Welt SSIO auf seine spezielle Art verherrlicht.

„SIM-Karten sollten Parfüm tragen / SIM-Karten sollten ein Recht auf Asyl haben“, heißt es in „SIM-Karte“, einer Ode an das wichtigste Utensil eines jeden Drogenkuriers. Die Polizei soll einem schließlich nicht auf die Schliche kommen. Für die Einordnung seiner Musik sorgte SSIO gleich mal selbst: „Das was wir hier machen, ist irgendwas zwischen Schlager- und Schlägermusik.“

So ging es in der tollen Bühnenkulisse in einem fort: Das vermutlich alkoholische Getränk? War „dunkler Multivitaminsaft“. Für „GoPro“ wurde natürlich eine GoPro aufgesetzt. Nur der Versuch, Rapper Xatar anzurufen, scheiterte leider. Er war nicht zu erreichen.

Sogar unters Publikum mischte sich der „King of Rap“ einmal – natürlich nur zusammen mit muskelbepacktem Security-Mann. Die Fans im gut gefüllten Club dankten es ihm mit sicher rezitierten Textzeilen. Auf die Unterstützung war SSIO ansonsten nicht angewiesen, mit seiner unglaublichen Taktsicherheit gehört er im Deutschrap zu den Besten.

Im Fokus der „0,9“-Tour standen die Songs des gleichnamigen Albums. Dessen Höhepunkte waren gleichzeitig die überzeugensten Momente des Abends. Genau wie die Zugabe, in der Karrierekatalysator „Nuttööö“ über einige Längen im Programm hinwegsehen ließ.

Von Lukas Braun

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