Schlagerduo Fantasy: „Wir hatten ganz harte Zeiten“

Haben es sich in den Charts bequem gemacht: Martin Marcell (links) und Freddy März sind das Schlagerduo Fantasy. Foto: Pick

Sie sind erfolgreicher als die Amigos, aber ihre Gesichter kennt kaum jemand: Als Schlagerduo Fantasy stürmen Martin Marcell und Freddy März die Charts, dabei waren sie schon fast pleite.

Vor zehn Jahren wollte die Schlagermusik von Martin Marcell und Freddy März niemand hören, doch mit seinem jüngsten Album „Freudensprünge“ schaffte es das Duo Fantasy auf Rang eins der Charts. Die Aufsteiger haben fast doppelt so viele Facebook-Fans wie die schon länger erfolgreichen Amigos. Freitag gastieren Fantasy in der Kasseler Stadthalle. Wir sprachen mit dem 45-jährigen Marcell.

Haben Sie von so einem unglaublichen Erfolg geträumt, als Sie 1997 zusammenfanden?

Martin Marcell: Niemals. Unser Traum war es, irgendwann ein bisschen von unserer Musik leben zu können. Wir waren schon glücklich, als wir nicht mehr vor 20 Leuten auftraten, sondern vor 100. Heute füllen wir Hallen mit 2500 Menschen. Wir hatten einfach Glück im Leben.

Sie haben lange neben der Musik gejobbt.

Marcell: Ja, Freddy hat sich als Hausdiener in einem Hotel über Wasser gehalten. Ich habe viele Jahre gekellnert - an der Autobahnraststätte, wo auch meine Mutter gearbeitet hat.

Einst wurde Ihnen der Strom abgestellt, weil Sie die Rechnung nicht bezahlt hatten. Wie schlimm war Ihr Leben früher?

Marcell: Wir haben ganz harte Zeiten durchgemacht. Wenn du mit 400 Euro nach Hause kommst und davon eine Familie ernähren musst, ist das nicht angenehm. Hätten wir uns nicht gegenseitig unterstützt, wäre alles schon sehr früh vorbei gewesen. Einmal kam ich nach Hause, da klebte ein orangener Aufkleber auf meinem Auto. Der Wagen war gepfändet worden. Ein anderes Mal sind wir ohne Geld zum Konzert gefahren. Drei Kilometer vor dem Ziel war der Tank leer. Der Veranstalter musste uns abholen. Nach dem Auftritt haben uns Fans zur Tankstelle gefahren, wo wir mit der Gage den Kanister voll gemacht haben.

Der Aufstieg begann dann als Vor-Act von Andrea Berg. Wie dankbar sind Sie der Sängerin?

Marcell: Sehr, wir kannten Andrea schon länger. Irgendwann sagte sie: Euch nehme ich mit auf Tour. Da ging es aufwärts. Ihren Stiefsohn Andreas Ferber fragten wir beim Bier, ob er nicht unser Manager werden will.

Er ist der Sohn des Spielerberaters Uli Ferber und mit Schlagerstar Vanessa Mai zusammen. Dank ihm haben Sie angeblich ein Vermögen von 15 Millionen Euro. Was macht man mit so viel Geld?

Marcell: Als die „Bild“-Zeitung diese Zahl veröffentlichte, haben wir unseren Manager angerufen und gefragt: „Wo ist das Geld?“ Der Journalist hat einfach die verkauften Alben multipliziert. Schön wäre es, so reich zu sein. Wir leben sehr gut, aber von 15 Millionen Euro sind wir ganz weit entfernt.

Es stimmt aber, dass das aktuelle Album von Dieter Bohlen produziert wurde.

Marcell: Ja, es ist eine große Ehre, mit ihm zu arbeiten. Wir waren früher große Modern-Talking-Fans und konnten alle Texte mitsingen. Freddy sah mit seiner Vokuhila-Frisur sogar ein bisschen aus wie Dieter. Songs wie „You’re My Heart, You’re My Soul“ - das war Musik nicht von dieser Welt.

Hätten Sie sich später auch bei „Deutschland sucht den Superstar“ beworben und sich dem Urteil von Bohlen gestellt?

Marcell: Nein, wir empfehlen das niemandem. Freddys Sohn Sandro hat sich darum auch hinter dem Rücken des Papas dort angemeldet und es immerhin bis in den Recall geschafft. Es ist sicher besser, den Beruf Schritt für Schritt zu erlernen. Wir sind früher an keiner Kneipe vorbeigegangen - natürlich nur, um dort Musik zu machen. Davon profitieren wir heute noch. Von den meisten „DSDS“-Siegern spricht dagegen schon ein Jahr später kein Mensch mehr.

Fantasy live: Freitag, 2. September (19.30 Uhr) Stadthalle Kassel. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204. 

Das Duo:

Mitglieder: Martin Marcell (45, links) und Freddy März (44)

Ausbildung: Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker (Marcell), abgebrochene Schneiderlehre (März)

Gegründet: 1997

Durchbruch: 2009 mit dem Album „Land in Sicht“. Im Februar schaffte es die jüngste CD „Freudensprünge“ von null auf eins in den Charts.

Privates: Marcell wohnt mit Frau und Sohn (12) in Berlin, wo er gern mit dem Boot unterwegs ist.

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