„Wir empfinden es als eine Katastrophe"

Nach der Absage: Das Oben-Festival ist insolvent

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Volles Zelt: Dieses Bild gehört der Vergangenheit an. Im vergangenen Jahr war das Oben-Festival noch gut besucht, für die Veranstaltung in diesem Jahr wurden nicht geng Karten verkauft - jetzt hat die Oben-Festival GmbH Insolvenz angemeldet.

Baunatal. Das Oben-Festival an der Baunataler Knallhütte sollte eine große Musik-Party werden. Doch es wurde im Vorfeld abgesagt. Nun haben die Organisatoren Insolvenz angemeldet.

Sie haben darum gekämpft, der Insolvenz zu entgehen. Doch jetzt steht fest: Diesen Kampf haben die Organisatoren des Oben-Festivals verloren. „Wir müssen mitteilen, dass die von uns angestrebte Schuldenbereinigung gescheitert ist“, heißt es in einer Mitteilung der Veranstalter des Festivals, das eigentlich am vergangenen Wochenende auf dem Gelände der Baunataler Knallhütte mit Bands wie Turbostaat und Fünf Sterne Deluxe hätte gefeiert werden sollen. 

Doch wurden im Vorfeld zu wenige Karten verkauft und die Veranstalter der Oben Festival GmbH zogen die Reißleine. Am Montag stellte das Oben-Team nun einen Insolvenzantrag. Fragen und Antworten.

Warum ist es nicht gelungen, die Insolvenz zu vermeiden?

„Es sind uns Sponsoren und viele weitere Menschen entgegengekommen. Gerade auch Bands aus der Region. Manche haben sogar angeboten, kostenlos zu spielen. Doch es hätten alle mitziehen müssen, auch die größeren Bands. Bei denen ist aber oft ein Management zwischengeschaltet und dadurch haben sich die Verhandlungen deutlich zäher gestaltet“, sagt Jürgen Truß von den Veranstaltern. „Wir empfinden es als eine Katastrophe und hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht. Wir als Kernteam und Gesellschafter der Oben-Festival GmbH tragen die volle Verantwortung für alle Erfolge und Misserfolge, so auch für die jetzt eingetretene Zahlungsunfähigkeit.“

Was wurde seit dem Aus für das Oben-Festival getan, um die Insolvenz zu vermeiden?

„Wir haben dran gearbeitet, mit unserern Partnern einen Schuldenplan aufzustellen, um eine geordnete und gewichtete Rückzahlung an unsere Ticketkäufer und Partner leisten zu können und um weiteren Schaden zu vermeiden“, heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren.

Wer steckt hinter dem Oben-Festival?

Hinter dem Oben-Festival stehen neben vielen ehrenamtlichen Helfern vor allem sechs Menschen aus der Region, die die Veranstaltung neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit organisiert haben. „Es war eine Herzensangelegenheit für uns. Wir wollten nicht Profit machen, sondern gute Musik in die Region holen“, so Truß. Man hoffe weiterhin auf das Verständnis der Fans und allen Unterstützern. Sie sind Musikliebhaber und selbst Fans. Das Festival steht auf mehreren Standbeinen. Zum einen gibt es eine GmbH, über die die meisten Verträge abgeschlossen wurden und in dem die sechs Macher das Risiko tragen. 2017 wurden 190.000 Euro für das Oben-Festival bewegt, in diesem Jahr handelte es sich um 150.000 Euro, so Truß.

Wie haben die Fans des Oben-Festivals reagiert?

„Es gab viel Verständnis, das hat uns sehr gerührt und gefreut“, sagt Truß. Doch gab es auch Kritik. Unter anderem wurde bei Facebook die Frage gestellt, warum die Veranstalter nicht eher über den schlecht laufenden Vorverkauf informiert hätten. Denn dann hätte man sich eher im Vorverkauf eine Karte besorgt. Dazu Truß: „Wir hatten Sorge, dass dann eher weniger als mehr Menschen Karten kaufen und auch davor, das Vertrauen der Partner zu verlieren – das wir jetzt enttäuscht haben. Wir haben unterschätzt, welche Massen zum Beispiel ein Hessentag in Korbach anzieht. Junge Leute, unsere Zielgruppe, haben meist nicht das Geld für mehrere Veranstaltungen.“ Die Konkurrenz in diesem Sommer war groß, wie ein Blick auf den Veranstaltungskalender zeigt.

Können die Ticketkäufer damit rechnen, das Geld für die Karten wiederzubekommen?

Glück haben die Musikfreunde, die Tickets über den HNA-Kartenservice gekauft haben. Die Kunden bekommen den vollen Preis ausgezahlt, inklusive Vorverkaufsgebühr. Die Entscheidung darüber, ob die Käufer, die über eine andere Agentur bestellt haben, ihr Geld erstattet bekommen, trifft im Falle der Insolvenz der Insolvenzverwalter. „Wir hätten gerne noch darauf Einfluss genommen, um die Fans und auch die besonders vom Ausfall betroffenen Standbetreiber zu entschädigen, doch das geht jetzt nicht mehr. Uns sind ab sofort die Hände gebungen“, erklärt Truß. Das weitere Vorgehen bestimme nun wohl bald der Insolvenzverwalter.

Gibt es eine andere Art der Entschädigung für die Ticket-Inhaber?

Ja, und zwar keine, die selbstverständlich ist: Das Team von RaB - Rock am Beckenrand im Harz lädt alle, die auf die Rückerstattung des Oben-Tickets verzichten, ein, kostenfrei das Festival am 24. und 25. August zu besuchen. Hierfür muss man dann nur sein Oben-Ticket 2018 am Einlass vorzeigen. Der Verein „Kultur von Unten“ lädt alle Ticketinhaber des Oben-Festivals 2018 ein, am 15. und 16 Juni das Unten zum einjährigen Geburtstagsfest ohne Eintritt zu besuchen. Aus Witzenhausen gibt es Unterstützung: „Mit der Karte kommen 100 Fans auch zum Raggae-Share-Itys-Festival am 15.6., wenn sie sich bis zum 10.6. bei den Veranstaltern melden.“

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