Schlichtes Mauerblümchen: Agnes Obel im Kulturzelt

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Eine Mischung aus Katie Melua und Erik Satie: Agnes Obel.

Kassel. Musik deckt alles ab, kennt keine allein selig machende Lehre. Zum Beispiel schrieb der französische Komponist Erik Satie provozierend simple Klavierstücke, als um 1900 Virtuosität gefragt war. Über Agnes Obel formulierte ein Kritiker in einem charmanten Vergleich, sie könne mit Satie Händchen halten.

Entwaffnend schlicht ging es am Freitag zu bei Obels Auftritt im gut gefüllten Kulturzelt. Begleitfiguren wie aus einem Lehrbuch für Anfänger und walzerhafte Um-ta-tas. Die in Berlin lebende dänische Singer-Songwriterin wollte mit ihrem Klavierspiel niemanden beeindrucken. Brauchte sie auch nicht, da sich ihre Songs wie das aus einer Telekom-Werbung bekannte „Just So“ einprägen. Und ihre sanfte, mädchenhafte Stimme ist ohnehin ein allerliebstes Naturgeschenk.

Fast verlegen, mit tiefstapelnden Pointen präsentierte sich Obel in den Zwischenansagen, etwa als sie vor dem Instrumentalstück „Wallflower“ (Mauerblümchen) anmerkte: „A little like me“ - ein wenig wie ich. Kompetente Partnerin bei dem von bittersüßen Molltönen dominierten Kammerpop war die Berliner Cellistin Anne Müller, die auch sang, Gitarre und Melodica spielte. Wer Cellomusik von Klassikkonzerten ohne elektrische Verstärkung kennt, bemerkte einen recht harten, nicht gerade leisen Celloklang.

Ovationen gab es für die Musikerinnen, die in einer komplexen Welt die Sehnsucht nach Einfachheit erfüllten. Nach dem Konzert herrschte reges Interesse am CD-Stand, wo Obel und Müller zum Signieren bereit waren. Großartig ist es trotzdem, dass die grenzenlose Musikwelt außerdem noch Free Jazz, Schönberg und Hendrix hervorgebracht hat.

Von Georg Pepl

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